Ein modernes Abenteuer

Arbeiten mit Videos erfordert viel Zeit, besonders bei der Nachbearbeitung. Für die Herstellung einer Zeitung braucht man Videos überhaupt nicht und daher habe ich schon sehr früh beschlossen, meine Aktivitäten auf das Fotografieren zu beschränken und auch das nur als Amateur.

Es hat leider nicht viel genützt zu beteuern, dass ich von Videos nichts verstehe. Herbert, ein Rapidler, übergab mir einen USB-Stick mit Hunderten Clips, die er alle zu einem Film vereinigen wollte. “Du kannst das schon”. Schöne Bescherung!

Christian Haberl hat uns einmal ein Paket von Microsoft, die “Windows Essentials”, empfohlen, das die Windows Fotogalerie und den Windows Movie Maker enthielt. Aber dieses Paket wird von Microsoft nicht mehr zum Download angeboten (siehe Release Notes). Ich habe diese Tools schon vor einiger Zeit von meinem Rechner gefegt, weil die Fotogalerie einen SQL-Server installiert hat und dieser Server sich im Laufe der Jahre auf etwa 50GB Festplattenplatz aufgebläht hat. (Ich habe versucht damit meine Bildersammlung zu verwalten, nachdem Picasa nicht mehr weiter unterstützt wurde, habe aber die Fotogalerie aufgegeben, genauso wie Lightroom, weil beide viel zu langsam waren und arbeite weiter mit Picasa.)

Unser Mitglied Walter hat uns einige Tipps in Richtung Video-Bearbeitung gegeben und beim Stöbern in seinen Tipps fand ich einen Hinweis auf einen “AVS Video Editor”. Downgeloadet, installiert, ausprobiert, fertig. Man zieht einfach die Filme auf die Entwurfsoberfläche, überspringt die Behübschungen wie “Übergänge”, “Videoeffekte” “Text”, “Audio” und geht auf “Film erstellen”. Dabei wählt man ein Ausgabeformat und je nach Länge und Anzahl der Filmchen muss man nur noch ein bisschen warten. Das war’s!

Nicht ganz, denn im fertigen Film befindet sich in der Bildmitte ein Vermerk, dass dieses Video von der kostenlosen Demoversion stammt.

Das konnte ich Herbert nicht als fertiges Produkt liefern. Das Programm kostet aber 49,- Euro. Und für diesen einen Versuch war mir das zu teuer. Ich habe mit dem weiter unten beschriebenen Verfahren das Programm freigeschaltet, erzeugte für Herbert das Video und gab Herbert seinen Stick mit dem fertigen Film und die Information, wo er sich das Programm besorgen kann.

Bitte den folgenden Text als die Schilderung eines juristischen Laien zu verstehen. Vorsicht auch bei der Benutzung der Links. Wo man hinklickt, kann Gefahr lauern.

Schatzinsel

Ich selbst brauche eigentlich außer meinen Basisprogrammen Office 365 und Visual Studio wenige Programme und diese Programme habe ich meist in einem Abo. Wenn man aber ein konkretes Programm in der Vollversion testen will, ist es keine große Schwierigkeit, sich den Zugang zu allerlei Software über thepiratebay.se zu verschaffen.

Je nachdem, welchen Internet-Provider man hat, kann diese Adresse auch blockiert sein. Bei Drei ist die Adresse blockiert, bei T-Mobile aber nicht. Sollte die Original-Adresse blockiert sein, kann man sich aus der Liste von Proxie-Servern einen geeigneten auswählen.

Aber mit thepiratbay.se gibt es ein Problem, das hat mir mein alter Freund Gerhard erklärt. Diese Seite benutzt die Torrent-Technologie und das bedeutet, dass alle diese downloadbaren Schätze sich nicht auf einem konkreten Server befinden sondern auf sehr vielen Rechnern verteilt sind. Und jeder, der sich etwas downloadet wird auch gleichzeitig zum Uploader für andere. Und das wiederum, das Uploaden, das dürfe man nicht.

Als Privatperson darf man sich also etwas downloaden, das wäre erlaubt, nicht aber die Weitergabe. Und eine solche Weitergabe erfolgt aber durch die Verwendung des Torrent-Protokolls.

Was tun? Gerhard ist eine unerschöpfliche Informationsquelle und er erzählte, dass es eine andere Seite, boerse.sx, gibt, die auf dieses Torrent-Protokoll vollkommen verzichtet und ein ganz normales Forum für den Informationsaustausch benutzt. Die Teilnehmer können ihre Erfahrungen und auch Dateien über dieses Forum austauschen. Man findet über die Suche nach Programmen wie eben diesen “AVS Video Editor” Informationen zur Freischaltung. Boerse ist vollkommen werbefrei. Ich fand dort eine gepatchte Datei, mit dem man die installierte Demoversion überschreibt und damit verschwindet dieser Demo-Insert auf dem Video.

Das Programm habe ich wieder gelöscht, ich arbeite nicht mit Videos, Herbert freute sich über den Film und hat sich den Video-Editor gekauft. Was es für ein Aufwand war, das alles zu recherchieren, das weiß Herbert nicht. Ich habe damit meine Ehre als Über-Computer-Bescheid-Wissender gerettet, Gerhard sei Dank. Puh!


Vorsicht: Mit allen diese Hacks besteht die Möglichkeit, sich unangenehme Schadsoftware auf den PC zu laden. Wer so etwas probiert, sollte das in einer virtuellen Maschine tun. Im Falle dieses Video-Editors war die Gefahr nicht sehr groß, weil offenbar nur die gepatchte Startdatei überschreiben wurde. Aber es gibt viel kompliziertere Szenarien, wo man dann nicht mehr genau weiß, was da alles installiert wird. Insbesondere bei dem werbeintensiven thepiratebay.se schaut jeder Link wie ein Minenfeld aus. Man muss tatsächlich etwas von einem Piraten haben, sich in diesem Dschungel mit geringem Risiko zu bewegen.

Das Bild stammt von pixabay.com

Franz Fiala

Präsident Clubcomputer / Herausgeber PCNEWS bei ClubComputer.at
Franz ist pensionierter HTL Lehrer (TGM), Präsident von ClubComputer, Herausgeber der Clubzeitung PCNEWS und betreut unser Clubtelefon und Internet Support. Er ist leidenschaftlicher Rapid Wien Fan.

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