Nach einem Vortrag von Ing. Albert Franner am 5.11.2019

Als wir nach Hause kamen, hatten wir das Gefühl, als würde an unserem PC-Arbeitsplatz etwas fehlen; eine Klaviatur zum Beispiel oder eine DAW, so anschaulich wurde uns vom Vortragenden eine Tonstudio-Infrastruktur geschildert.

Für Einsteiger ind die Welt der digitalen Klänge sind die Vortragsfolien eine sehr klar strukturierte Hilfe.

Wir bedanken uns beim Vortragenden für die Mühe bei der Vorbereitung und Präsentation seines Fachgebiets.

Historisches

Alle hier vorgestellten Komponenten sind digital. Dennoch trifft man immer wieder auf Elemente der analogen Ära. Das moderne digitale Tonstudio ist eigentlich schon die zweite Generation elektronischer Musik; die erste verwendete noch rein analoge Geräte und analoge Techniken zur Tonerzeugung, Tonverfremdung, Mischung der Kanäle und Speicherung. Die damals “erfundenen” Klänge wie zum Beispiel die des Moog-Synthesizers oder der Hammond-Orgel sind auf den zeitgenössischen Geräten ebenfalls zu finden.

Wenn wir also heute am Bildschirm einen historischen analogen Synthesizer sehen, dann wurde dieser seinem analogen Vorgänger exakt nachgebaut.

Wenn man bei öffentlichen Aufführungen große Mischpulte sieht, könnte man ähnliche auch vor 60 Jahren gesehen haben. Der Unterschied: damals wurden die analogen Signale über die Schiebewiderstände geleitet mit allen damit verbundenen Nachteilen, wie etwa Kratzgeräuschen beim Schieben, Erhöhung des Rauschens oder Störgeräusche durch Brummschleifen. Das ist Geschichte. Heute meldet der Schieberegler lediglich seine Position an die DAW und die gewünschte Wirkung wird auf die Berechnung des Signals im Computer angewendet.

Übersicht

Vorgestellt wurden die Komponenten eines professionellen Tonstudios und in jeder der folgenden Kategorien in vielen Alternativen, von einer Hobbyvariante bis zum Profiprodukt.

Was braucht man?

  1. einen Computer
  2. Soundkarte, Audiointerface
  3. Software, eine DAW (Digital Audio Workstation)
  4. Monitoring
  5. Effekte (Compressor, Reverb, EQ, usw.)
  6. Sample Packs oder zusätzliche Software Packs
  7. virtuelle Instrumente (Synthesizer, Piano, Streicher, Orchester, exot. Instrumente, usw.
  8. externe Hardware (MIDI-fähige Geräte & Controller)

1. Computer

Der Computer braucht viel Hauptspeicher, um die Datenmengen in Echtzeit bewältigen zu können. Empfohlen werden 32 GB, i5, i7 oder i9, leiser Lüfter, Mehr Monitore sind von Vorteil, man braucht daher auch mehrere Video-Karten oder entsprechende USB-Video-Adapter. Wichtig ist, dass die Video-Karten OpenGL (Open Graphics Library) unterstützen.

2. Soundkarte

Man kann für die ersten Versuche die im PC eingebaute Soundkarte verwenden, aber für Sound-Anwendungen sind diese Adapter nicht geeignet, weil sie eine zu große Latenzzeit haben.

Latenzzeit: Verzögerung zwischen Sound-Erzeugung und Wiedergabe

Für den Betrieb einer Soundkarte mit einem DAW benötigt man unbedingt die zur Karten gehörenden ASIO-Treiber (Audio Stream Input/Output) von Steinberg.

Der Markt der Soundkarten ist vielfältig. Wenn die vorinstallierte Sound-Karte nicht entspricht, kann man externe ider interne Soundkarten im Preisbereich 21,- Euro bis 3.000,- Euro erwerben. (Details siehe Vortragsfolien)

3. DAW

Eine DAW (Digital Audio Workstation) editiert Tonquellen und und mischt sie zu einem Musikstück (“mastern”).

Neben dem Programm Cubase, das auch der Vortragende verwendet, wurden zahlreiche Produkte und Kriterien zur Auswahl vorgestellt.

4. Monitoring

Unter “Monitoring” versteht man die akustische und visuelle Kontrolle der Klänge.

  • Kopfhörer/Lautsprecher
  • Monitore
Tonstudio mit Nahfeld_Lautsprechern, drei Monitoren und Keyboard.

5. Effekte

PlugIns, die in die DAW eingefügt werden, erweitern die Bearbeitungsmöglichkeiten des Audio-Signals. Das sind Equalizer, Limiter, Kompressoren, Hallgeräte, Echogeräte… Interessant ist, dass diese Effekte ihre analogen Vorbilder bis ins kleinste Detail nachbilden und sogar die Bedienungsoberfläche jener aus den 1960er-Jahren entspricht.

6. Software Packs

Hier geht es um akustische Akzente, die in einem Musikstück – speziell bei Übergängen – hinzugefügt werden. Die akustischen Miniaturen heißen

  • Risers
  • Whooshs
  • Impacts
  • Downers
  • Orchestral Hits

Aber es gibt auch weitergehende Effekte wie zum Beispiel:

  • Drum Loops
  • Bass-Samples
  • Piano
  • Atnosphäre
  • Sythesizers
  • Orchester

Klangbeispiele in der Präsentation.

7. Virtuelle Instrumente

Die DAW kann um zahlreiche zusätzliche Klangformen ergänzt werden. Zum Beispiel Synthesizer, Piano, Streicher, Orchester und auch exotische Instrumente. Bei den Gitarren kann sogar das Fabrikat ausgewählt werden.

Diese Stimmen wurden von echten Musikinstrumenten mittels Sampling gewonnen. Der Musiker spielt dabei die Töne mehrfach und in verschiedensten Spielvarianten, wie zum Beispiel legato, pizzicato, strumming, bending, staccato, con lego…

Spielt man nun auf einem externen Keyboard (es gibt auch Blaswandler und Pads für Drummer und Gitarren-Controller) eine Melodie, kann man aus einem dieser virtualisierten Instrumente auswählen. Das Programm fügt die gesampelten Töne nahtlos aneinander.

In der PowerPoint-Präsentation finden sich an dieser Stelle viele Klangbeispiele.

Ein komplettes Orchester wird digital im “Vienna Symphonic Cube” mit über 760.000 Samples abgebildet. Diese weltweit genutzte Sound-Sammlung stammt von einer Firma aus Ebreichsdorf.

6. Externe Hardware

Jede Sound-Werkstätte besitzt zur Eingabe von Stimmen eine Klaviatur, wobei der Anschlag der einfacheren dem Anschlag einer elektronischen Orgel entspricht und die aufwändigeren einen Klavieranschlag imitieren.

Es gibt auch Mischpulte, die ebenso wie in der analogen Welt bedient werden können. Werden sie mit der DAW verbunden, bewirkt eine Bedienung des mechanischen Schiebereglers eine identische Bewegung auf seinem virtuellen Abbild am Monitor.

Für das Zusammenspiel zwischen externer Hardware und der DAW sorgt das MIDI-Protokoll (Musical Instrument Digital Interface).

Links

Die Folien des Abends sind im Ordner „clubintern“ enthalten. Es gibt folgende Dateien:

  • 2019-11-05 Der wohltemperierte PC.pptx
    PowerPoint-Folien dieses Abends mit integrierten Tonbeispielen (130MB)
  • 2019-11-05 Der wohltemperierte PC.pptx.pdf
    PDF-Version der PowerPoint-Folien (8MB)
  • 2019-11-05 Der wohltemperierte PC.mp3
    Audio.Mitschnitt zum Nachhören (75MB)
  • 2019-11-05 Der wohltemperierte PC.zip
    Tonbeispiele, alle Bilder in getrennten Dateien (550MB)

Zugang zum Ordner “clubintern”

Ein Frage aus dem Auditorium betraf Software, mit der man gespielte Klavierstücke direkt in Notenschrift umwandeln kann. Genannt wurden beim Clubabend die Programme “Finale ” und “Sibelius”. Hier ist eine Einführung in solche Programme:

Notensatzprogramme

Finale

Franz Fiala

Präsident Clubcomputer / Herausgeber PCNEWS bei ClubComputer.at
Franz ist pensionierter HTL Lehrer (TGM), Präsident von ClubComputer, Herausgeber der Clubzeitung PCNEWS und betreut unser Clubtelefon und Internet Support. Er ist leidenschaftlicher Rapid Wien Fan.

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