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    • Erich Pekar
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      #32488 |

      http://derstandard.at/2000034148514/Rebellen-haben-bei-Microsoft-die-Macht-uebernommen

      Entwicklerkonferenz “Build” markiert eine Zäsur – Linux-Unterstützung statt Windows Phone


      Es war eine Szene mit Symbolkraft. Vier bekannte Microsoft-Spezialisten, darunter die Journalisten Paul Thurrott und Mary Joe Foley, saßen bei Microsofts Entwicklerkonferenz Build feixend in der vorderen Reihe und trugen Mützen mit einem grinsenden Pinguin. Das ist das unverkennbare Markenzeichen des freien Betriebssystems Linux.Microsofts damaliger Vorstandschef Steve Ballmer hatte “Open Source”-Software wie Linux 2001 noch als “Krebsgeschwür” bezeichnet. Bill Gates hasste sie. Jetzt stand Ballmers Nachfolger Satya Nadella vor Pinguin-Mützen auf der Bühne und stellte “Bash” für Windows vor. Das ist eine Software-Umgebung, auf der echte Linux-Programmbefehle auf Windows-PCs laufen werden.

      Da ist “Bash”, mit dem jetzt Open-Source-Entwicklung auf PCs so einfach wie nie wird. Dann kommt das nun kostenlose “Xamarin”. Damit lassen sich im Handumdrehen Apps für Windows-Smartphones und Android-Telefone sowie bald auch Apples iPhones erstellen und testen. Das Auditorium dankte mit Ovationen. – derstandard.at/2000034148514/Rebellen-haben-bei-Microsoft-die-Macht-uebernommen

      Das neue Rückgrat ist “Azure”, eine gigantische Computer-Infrastruktur im Internet mit unbegrenzter Rechenleistung.

      Das Gesicht zum Kunden soll statt Windows Cortana werden, die digitale Assistentin, auf die Nadella seine Zukunft verwettet. Losgelöst vom PC wird sie auf allen Plattformen präsent sein. Cortana wird auf Fragen antworten, beraten, suchen, finden, kaufen, bestellen, planen, Termine notieren.

      Die Vorteile und Vertrauenswürdigkeit eines digitalen und selbstlernenden Assistenten mit künstlicher Intelligenz müssen so überzeugend sein, dass niemand ihn missen will. Wie schwierig diese Aufgabe ist, hat Microsoft allerdings auch jüngst erleben müssen. Der durch künstliche Intelligenz gesteuerte Chatbot Tay, mit dem Microsoft auf Twitter mehr über Gespräche zwischen Mensch und Maschine herausfinden wollte, verwandelte sich nach wenigen Stunden in einen “Hassbot”, der antifeministische, rassistische und hetzerische Tweets von sich gab – weil Twitter-Nutzer das Projekt gekapert hatten.

      Bill Gates träumte 1975 bei der Gründung von Microsoft von einem PC auf jedem Schreibtisch, in jedem Haushalt – Satya Nadella ist das nicht mehr genug. Er will Microsoft dort haben, wo immer sich der Mensch aufhält. Selbst wenn der es am Ende gar nicht mehr wahrnimmt.

      Also für “pure” Microsoft-Fans eher betrübliche,
      für bestehende professionelle Nutzer von Microsoft-Produkten (gerae auch in Unternehmen) möglichwerweise bedenkliche,
      für Datenschützer, die “Cyber-War” Abwehr und grundsätzliche Bewohner der “Analogen Welt” sogar gefährliche Nachrichten.

      Gerade der Satz “Selbst wenn der es am Ende gar nicht mehr wahrnimmt.” ist das Bedenkliche an diesen neuen (?) Microsoft-Zielen.
      Für die meisten Nutzer ist die – zum Betrieb von Telekommunikationsnetzen und für die über diese Netze angebotenen Dienste und Services benötigte – technische und organisatorische Inrastruktur ohnehin schon jetzt ein Buch mit sieben Siegeln.
      Dies führt dann dazu, dass im täglichen Leben “blind” (ohne Rückfall- oder Ersatz-Möglichkeit) auf die Verfügbarkeit von Services und Diensten vertraut wird, und dies kann im Falle schon kleinster Störungen der technischen Infrastruktur – und sei es nur ein vergessenes Ladegerät, um den leeren Akku des eigenen Mobilgerätes rechtzeitig nachladen zu können – dazu führen, dass kontaktlose Bezahlvorgange z.B. an NFC-Terminals nicht mehr durchgführt werden können. Wenn es dort aber nur NFC Terminals geben sollte, die Inanspruchnahme diese Services mit leerem Akku gar nicht möglich wäre.

      Auch wenn dies kein Microsoft-“Spezifikum” ist, so kann das doch eine mögliche Folge des Satzes “Selbst wenn der es am Ende gar nicht mehr wahrnimmt.” sein. Und Microsoft ist hier nur als “Vertreter” für alle anderen Technologien bzw. IKT Unternehmen mit ähnlichem “Allmachts-Anspruch” zu sehen.

      Konkret kann ich der Digitalen-Assistentin auch wenig abgewinnen. Selbst wenn die Fortschritte der Sprach-Eingabe/Erkennung und der Ausgabe synthetischer Sprache durchaus beachtlich sind, kann ich mir nicht vorstellen, dass die Sprachsteuerung (bzw. -Ausgabe) – außer im KFz oder für Sehbehinderte irgendeine praktische Bedeutung erreichen wird. Oder können Sie sich ein Büro oder auch nur ein Wohnzimmer vorstellen, in dem die dort Anwesenden – natürlich voneinander ausreichend akustisch abgeschirmt – sich mit ihren Geräten sprachlich mehr “unterhalten”, als mit ihren Mitmenschen ?
      Und zufolge meiner Erfahrungen mit sonstigen Digitalen Assistenten kann ich diesen dezeit aus meiner Sicht (mit meiner zurückliegenden Erfahrungen mit Microsoft) keine Zukunft einräumen.
      Diese setzten zumeist einen “genormten” Benutzer (mit stets der gleichen Herangehensweise zur Suche nach Informationen bzw. Unterstützung voraus ) wie z.B. dass die korrekte Bezeichnungen von aufzurufenden Programmen oder Bildschirmelementen vorher bekannt sein musste, um überhaupt Informationen über deren Bedienung erhalten zu können.
      Auch scheint sich das Prinzip der “standardisierten” Benutzer auch bei aktuellen Microsoftprogrammen (aber nicht nur bei diesen) weiterhin hartnäckig zu halten – denn anders scheinen die derzeit leider fast überall aktuellen, aber kaum einfach individuellen Bedürfnissen anpassbaren, “verschwommenenen” Designs mit geringen bis gar keinen Kontrasten nicht erklärbar zu sein.

      Andererseits stellt sich mir – und vermutlich nicht nur mir – bei Bash (https://de.wikipedia.org/wiki/Bash_%28Shell%29) für Windows  schon die Frage , warum ich “Linux-Guests” dann auf Windows laufen lassen sollte und nicht gleich auf reinen Linux-Plattformen (ohne irgendeine Mitwirkung von Microsoft) bleiben sollte. Ich brauche nicht erst noch die Lizenzkosten eines (proprietären) Microsoft-Betriebsystems, wenn ich Gleiches (oder Besserers) als OpenSource und – abgesehen von vielleicht erforderlichen Supportkosten – Lizenz-frei mit unterschiedlichsten Benutzeroberflächen erhalten kann.
      Hier zählen dann primär Kernel-Leistungsvergleiche (Windows <-> Linux) dessen Ergebnisse dann den Lizenz + Supportkosten und (Sicherheits-)Bewertungen proprietäre (US-)Software <-> OpenSource (zumindest abseits von Mobilgeräten)  – gegenübergestellt werden sollten.

      Möglicherweise befürchtet diese Linux-Konkurrenz auch Microsoft selbst, da sie große Entwicklungsmöglichkeiten primär rund um  Azure (https://en.wikipedia.org/wiki/Microsoft_Azure) sieht.

      Ich lese aus diesen Ankündigungen  auch heraus, dass bestehende Microsoft-Kunden  verunsichert werden,
      allfällig neue  Kunden lediglich bestätigt erhalten, das Linux  ohnehin die bessere Wahl wäre –
      vor allem,  wenn diese potentiellen Microsoft Kunden vielleicht auch schon selbst mit Linux ganz gute Erfahrungen sammeln konnten.

      Ob ich nun unter solchen Zukunftsaussichten überhaupt noch ein Windows-Phone kaufen soll, muss ich auch nochmals überdenken.

    • Erich Pekar
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      #32494 |

      http://derstandard.at/2000033847719/Linus-Torvalds-Ich-bin-kein-Visionaer
      Linus Torvalds: “Linux ist Ergebnis meiner Naivität”

      Erfinder des freien Betriebssystems sieht sich selbst nicht als Visionär

      Als Linus Torvalds im Jahr 1991 mit den Arbeiten an einem neuen Hobbyprojekt begann, ahnte er noch nicht, welch profunde Auswirkung dies einst auf die gesamte Computerwelt haben sollte. Linux bildet mittlerweile die Basis der meisten in Umlauf befindlichen Systeme. Vom Smartphone bis zum Supercomputer, überall dominiert das freie Betriebssystem.
      Fast 25 Jahre später stellt sich Torvalds nun einem Interview von IEEE Spectrum, und präsentiert sich dabei recht abgeklärt. Hätte er gewusst, worauf er sich da einlässt, hätte er wohl nie mit der Entwicklung eines Betriebssystems begonnen, gibt der Linux-Erfinder zu Protokoll. Insofern sei das Betriebssystem ein Ergebnis seiner Naivität.

      Mailinterview mit Linus Torvalds http://spectrum.ieee.org/computing/software/linux-at-25-qa-with-linus-torvalds

      The fact that I didn’t really know where it would end up meant that I was perhaps more open to outside suggestions and influence than I would have been if I had a very good idea of what I wanted to accomplish. That openness to outside influences I think made it much easier, and much more interesting, for others to join the project. People didn’t have to sign on to somebody else’s vision, but could join with their own vision of where things should go. I think that helped motivate lots of people.
      ….
      There really were two notable transitions for me: One fairly early on (1992), which was when I started taking other developers’ patches without always rewriting them myself. And one much later when [applying all the patches myself] was starting to be a big pain point, and I had to learn to really trust all the various submaintainers.
      ….
      Of course, neural networks, et cetera, will change the world, but part of the point with them is that you don’t “program” them. They learn. They are fuzzy. I can pretty much guarantee that they won’t replace the traditional computing model for that very reason. People will want smarter machines, but people will also want machines that do exactly what they’re told. So our current style of “old-fashioned” computing won’t be going away; it’ll just get augmented.

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