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    • Franz Fiala
      Keymaster
      Post count: 8
      #41452 |

      Petra fragt über unsere buero-Adresse: “Weiß jemand von euch, wie man herausfindet, ob mein Handy überwacht wird oder wen ich da fragen könnte? Wäre sehr dankbar über eine Mail.

      Hallo Petra!

      Also das kann man generell nicht ausschließen, dass man überwacht wird, und es liegt in der Natur der Sache, dass ein Überwacher, nicht erkannt werden will, dass man also nicht so einfach sagen kann, ob eine Überwachung stattfindet.

      Grundsätzlich wird aber jedes Handy “überwacht”, weil das Netz wissen muss, wo sich das Handy befindet, um es mit dem richtigen Sender anzusprechen. Also ungefähr (100 m) kennt das Netz Deinen Standort. Das heißt aber nicht dass “man” Deinen Standort kennt. Auch wenn polizeiliches Interesse besteht, braucht diese zur Herausgabe oder Verfolgung der Standortdaten einen richterlichen Beschluss.

      Auf jedem Android-Handy (andere vermutlich auch) kann man den so genannten “Standortverlauf” aktivieren. Dann werden alle Deine Wege, egal ob zu Fuß, mit den Öffis oder mit dem Auto aufgezeichnet und auf Google-Maps unter “Zeitachse” aufgezeichnet. Es entsteht damit eine Art Ortstagebuch. Aber das geht nur, wenn man es aktiviert. Anfangs ist es ausgeschaltet. Damit überwacht man sich also selbst.

      Darüber hinaus kann man den eigenen Standort mit der Funktion “Standort teilen” mit anderen Android-Usern teilen und man kann sich gegenseitig auf der Landkarte verfolgen. Aber natürlich auch wieder nur, wenn man das aktiviert.

      Diese Dinge sind im Auslieferungszustand nicht aktiv. Wenn also jemand anderer unerwünschter Weise Deinen Standort über Dein Handy beobachtet, dann handelt es sich um einen schweren Eingriff in die Privatsphäre und ich würde es als kriminelle Handlung bezeichnen.

      Was leicht vorstellbar ist, dass zum Beispiel jemand in einem unbeobachteten Moment diese auf jedem Handy verfügbaren Dinge wie “Standortverlauf”, “Zeitachse” und “Standort teilen” auf Deinem Handy aktiviert und Dir das nicht bewusst ist. Dann könnte dieser andere Dich mit seinem Handy oder auch am PC verfolgen.

      Das kann man aber leicht abstellen, indem man diese Einstellungen wieder löscht.

      Wenn nun aber jemand Dein Handy längere Zeit in die Hand bekommt, könnte er auch ohne Dein Wissen etwas wie eine Verfolgungsapp installieren, die man dann nicht interaktiv ausschalten kann. Das wäre etwas, das man nicht weiß, auch wenn man Dein Handy in der Hand hätte, denn ein Spionageprogramm steht sicher nicht in der Liste der installierten Apps. So schlau sind die Programmierer schon. Das ist alles spekulativ aber technisch möglich.

      Was man tun kann, wenn man so etwas vermutet? Handy neu aufsetzen!

      Man sollte die persönlichen Daten, also Kontakte, Bilder, Filme usw. sichern und dann das Handy auf den Auslieferungszustand zurücksetzten. Danach muss man alle Apps noch einmal installieren. Die Apps zu sichern, scheint nicht so sicher zu sein, denn wenn da ein Spion dabei war, dann ist er auch bei der Reinstallation dabei. Daher sollte man eben die Apps alle neu installieren. So etwas aber besser einem Profi überlassen, damit nachher wirklich alles wieder da ist.

      Jetzt noch einmal zu der Frage: so ganz eindeutig mit “ja” oder “nein” ist Deine Frage nicht zu beantworten. Wenn man zum Beispiel auf einem Handy kein Überwachungsprogramm findet, heißt das ja nicht, dass keines da ist. Ich zum Beispiel wäre ziemlich sicher, dass ich nicht überwacht werde, außer durch die oben beschriebenen Google-Features, die ich freiwillig aktiviere. Und das deshalb, weil es bei mir keine Situation gab, wo ich das Handy aus der Hand gegeben hätte. Wenn also jemand einen solchen Verdacht hat, dann liegt das auch irgendwie an seinem Umfeld, das der in dieser Hinsicht verdächtigt.

      Wir müssen uns bei solchen Verdächtigungen aber immer fragen, wozu jemand eine solche Überwachung durchführen wollte. Es mag Schichten geben, wo man so etwas durchaus annehmen kann aber dazu zählen die meisten von uns nicht. Es kann auch Situationen in Partnerbeziehungen geben die so etwas vermuten lassen. Aber in allen diesen Fällen steigt die Wahrscheinlichkeit mit dem Interesse Deines Umfeldes an Dir und Deinem Handy.

      Solche Überwachungsvermutungen sind häufig bei Personen anzutreffen, die grundsätzlich zu Verfolgungsideen neigen. Die Vermutung, dass man überwacht wird, kann also auch durch Unsicherheit gegenüber der unbekannten Technik entstehen.

      Zu guter Letzt bin ich nur ein Beobachter der Handy-Szene und keineswegs Spezialist. Aber technisch möglich ist wirklich viel. Man kann Apps schreiben, die es auch erlauben, die Kamera oder/und das Mikrofon zu aktivieren und alle Gespräche in einem Raum auch bei ausgeschaltetem Handy mit aufzuzeichnen oder andere “Raubersgschichtn”. Aber – wie gesagt – wie der Römer sagt “cui bono” – zu wessen Vorteil wird da überwacht?

      Franz

       

    • Fritz Stockhammer
      Teilnehmer
      Post count: 155
      #41483 |

      Vom PC aus bei Google anmelden (ein Google Account ist bei einem Android Handy nahezu ein Muss) und man kann dort sehr komfortabel die Einstellungen treffen.

      Und am Handy einstellen: Apps nur von Google und ggf. vom Handy Hersteller selbst installieren. Keine Apps von unsichern anderen Quellen installieren.

    • Erich Pekar
      Teilnehmer
      Post count: 135
      #41517 |

      Und dann nicht zu vergessen  all die Programme der Geräte-Hersteller zur Verbesserung der “Usability” ihrer Geräte, in denen sie Geräte unter bestimmten Bedingungen  (vermutlich nicht nur  bei bzw. nach “schwerwiegenden” Gerätefehlern) Geräte-Daten “nach Hause” (zu Servern des Herstellers ) schicken lassen. Dass aus diesen Geräte-Daten (sinnvollerweise z.B. die  aktuelle Gerätekonfiguration und z.B. Speicherauslastung unmittelbar vor /nach Auftreten eines Fehlers )  möglicherweise auch Rückschlüsse auf den Benutzer ( z.B.: welche Apps  installiert sind bzw. zuletzt benutzt wurden ) möglich sind, wird sich wohl nicht ganz vermeiden lassen.

      Und ein nicht ganz unwesentlicher und unmittelbar  auch mit persönlicher  Überwachung (im engeren Sinn)  unter Umständen in Verbindung stehender Punkt : Das staatliche Interesse (aller Staaten der Welt)  , möglichst frühzeitig gefährliche Personen  (die vielleicht in kriminelles  oder terroristisches Geschehen  in irgendeiner Weise  bereits verwickelt sind oder lediglich im Verdacht stehen könnten, darin verwickelt sein zu können ) identifizieren und beobachten zu können .
      Unter dieser Begründung  wurden bereits Telekommunikationsdaten jedes Bürgers gespeichert  – aus denen zu jedem Zeitpunkt entnommen werden kann, wer mit wem in welcher Form und wie lange über technische Kommunikationseinrichtungen ( “Telefon”, “Internet”, “E-Mail”,  .. )    kommuniziert hat  – und das ohne Vorliegen eines richterlichen Auftrages  oder selbst auch nur irgendeines Verdachtes.  Diese Regelung ( “Vorratsdatenspeicherung”) ist seit  27.Juni 2014  durch den Verfassungsgerichtshof in Österreich wieder aufgehoben worden  und seitdem noch nicht durch andere Bestimmungen wieder ersetzt worden.
      Die Kommnikations- bzw Content-Provider sind auch jene Stellen, die als Erste Detailinforamationen über ihre  Kunden haben (müssen) .-  allein schon, um ihren Kunden die bestellten Services ( z.B. Video in Demand) liefern zu können. Dass diese Detailinformationen (z.B. über Vorlieben/Interessen  ihrer Kunden) auch für viele  andere Interssenten  interessant und daher auch wertvoll sind, liegt wohl  auf der Hand.  Gesetzte regeln zwar , wer bzw . für welche Zwecke  personenbzogene Daten verwendet werden können – die unaufgeforderte Zusendung  personalisierter Werbung  dürfte da noch das kleinere Übel sein. Und wenn die Verletzung dieser Gesetzte (bisher) bekanntermaßen  weitestgehend  folgenlos bleibt, dann sind solche Gesetze so gut wie nicht existent.

      Leider gibt es derzeit wieder Bemühungen, neue bzw. weitere  staatliche Überwachungsmöglichkeiten – z.B. durch die “Verteilung” und Verwendung staatlicher Schadsoftware zur Benutzung durch (auch österreichische) Sicherheitsbehörden und Geheimdienste zu schaffen.
      Tatsache ist aber, dass derartige Schadsoftware für staatliche Überwachungszwecke Softwarefehler in bestehenden, von jedermann  genutzten Softareprodukten  ( Mail-Clients, Browser , …. ) nutzen und daher nunmehr auch der österreichische Staat Interesse an (im Sinne des optimalen Schutzes persönlicher Daten ) unsicheren und fehlerhaften Geräten, Programmen und Kommunikatinsverfahren haben muss, da seine Überwachungsmethoden sonst fehlschlagen  würden.
      Staaten  (nicht nur in Österreich) haben alle Bürger bereits unter  Generalverdacht gestellt, für sie gibt es keine  “Unverdächtigen”.
      So dürfte z.B. auch niemand in die USA einreisen, der nicht alle seine Kommunikations-Accounts (samt jeweils zugehörigem Passwort) dort offen legen will und dann in weiterer Folge nicht langwierige Verhöre über sich ergehen lassen will.

      Es gibt also jedenfalls viel mehr  Überwachungsmöglichkeiten, als man mit irgendwelchen Konfigurationseinstellungen am  eigenen Gerät überhaupt selber  beeinflussen könnte.
       

       

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