[Nach einem Vortrag von Sepp Eisenriegler, Gründer und Vorsitzender des R.U.S.Z. (Reparatur- und Service-Zentrum)]

Eine wesentliche Aussage des Vortrags war, dass unser heutiges Verständnis von Wirtschaft ein ständiges Wachstum fordert und dieses Wachstum durch eine immer kürzere Lebensdauer unserer Haushaltsgeräte erreicht wird. Wertvolle Rohstoffe gehen den folgenden Generationen verloren, weil Geräte viel zu früh ersetzt werden. Das Motto “Wer billig kauf, kauft teuer” beschreibt diesen Vorgang gut. Es ist besser, beim Kauf mehr zu investieren und das Produkt über eine viel längeren Lebensdauer zu nutzen. Das Hauptproblem ist nicht, dass man bei vorzeitigem Gerätetausch Geld verliert; das Hauptproblem ist der riesige Ressourcenverbrauch bei Neuanschaffungen.

Kreislaufwirtschaft statt Linearwirtschaft

Heute bestehen nur 6 Prozent der Rohstoffe, aus denen Haushaltsgeräte hergestellt werden aus der Wiederverwertung von Altgeräten. Das Konzept  der Kreislaufwirtschaft erzeugt einen Stoffkreislauf ähnlich wie in der Natur. R.U.S.Z. arbeitet seit 20 Jahren beispielhaft an einer Implementierung solcher Kreisläufe und ist für diese Vorbildfunktion mehrfach ausgezeichnet worden und Sepp Eisenriegler ist ein europaweit gerne gehörter Vortragender für die fachlich fundierte Verbreitung seiner Vision. Siehe YouTube-Video.

Dimension des Rohstoffproblems

Eine Linie, gebildet aus den pro Jahr allein in Österreich neu angeschafften Haushaltsgeräten, ergibt eine Strecke von Wien nach Strassburg, (und dabei sind elektronische Geräte noch gar nicht mit eingerechnet)…

…und für die Geräte aus ganz Europa ergibt es eine Strecke einmal um den Globus. Das Wachstum wird über den Verbrauch von Ressourcen erreicht. Da aber die Ressourcen beschränkt sind, leben wir auf Kosten der kommenden Generationen.

Systemproblem

Die Verlagerung der Produktion in Niedriglohnländer und der Verkauf in Hochpreisregionen erzeugt riesige Gewinne auf Kosten der Arbeitssklaven in Fernost. Der Druck auf dem Management nach Steigerung des Verkaufs führ unweigerlich zu Konstruktionen mit begrenzter Lebensdauer und die Gier der Konsumenten nach billigeren Produkten verunmöglicht reparierbare Gerätekonzepte. Die Folge ist Vergeudung unwiederbringlicher Ressourcen. In günstigen Fällen gelangen die Altgeräte in lokale Kreisläufe, in denen wenigstens das Altmetall verwertet wird, im weniger günstigen Fällen landen die Altgeräte aber in ökologische Problemzonen in Afrika, wo sie zwar einer gewissen Wiederverwertung unterliegen aber unter unkontrollierten Bedingungen die Menschen und die Umwelt extrem belasten.

Streben nach A+++

Man wird als Konsument durch das Angebot von energiesparenden Haushaltsgeräten mit einem Energiegütesiegel dazu verleitet, eine Waschmaschine vorzeitig zu ersetzen, weil man meint, etwas Gutes für die Umwelt zu tun, wenn man ein A+++-Gerät kauft. Doch der Energiekostenanteil einer Waschmaschine am Energieverbrauch eines Haushalts ist sehr gering. Der Hauptteil der Energiekosten entsteht nämlich durch Heizung und Warmwasserbereitung.

Der Ersatz der Waschmaschine durch ein A+++-Gerät ist ökologisch schädlicher als der Gewinn durch den reduzierten Energiebedarf.

Achtung bein Eco-Waschprogrammen

Eco-Programme verbrauchen tatsächlich etwas weniger an Energie, oft aber mit einem bedenklichen Trick. Eco-60 bedeutet, dass man eine Waschleistung wie bei 60 Grad erzielt, das allerdings mit einer Verdoppelung der Laufzeit und gleichzeitiger Temperaturreduktion auf 30 Grad. Möglicherweise haben diese Programme ein Problem mit der Keimzahl in der Wäsche.

Ressourcen-Effizienz

Der Fokus beim Ressourcen-Verbrauch wird sehr oft auf den Betrieb eines Geräts gelegt. Dabei wird gerne übersehen, dass die meisten Ressourcen bereits durch die Herstellung des Geräts verbraucht worden sind. Man muss bei den Angaben über den Energieverbrauch auch darauf achten, ob die Energie für die Herstellung des Geräts eingerechnet worden ist.

ONR 192102

Ein unscheinbare Nummer aber eine Norm mit weitreichenden Wirkungen. Diese Norm ist ein Gütezeichen für langlebige, reparaturfreundlich konstruierte elektrische und elektronische Neugeräte. Und diese Norm hat auf europäischer Ebene zu einer Vorreiterrolle Österreich auf diesem Gebiet geführt. R.U.S.Z. ist nicht nur ein national anerkanntes Unternehmen; R.U.S.Z. findet auch europaweit Beachtung.

Kaufpreis

Dass wir extrem billige Produkte kaufen können, sollte schon die Alarmglocken schrillen lassen, denn irgendwer musste bezahlen, dass wir ein T-Shirt um 5 Euro kaufen können. In diesem Fall sind es Arbeiterinnen, die in Fernost unter ähnlichen Bedingungen arbeiten wie einst die ArbeiterInnen in der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert. Der Unterschied ist, dass damals ein Staat diese Problem selbst lösen konnten, weil er den Arbeitsmarkt nicht einfach dem Prinzip von Angebot und Nachfrage überließ, sondern diesen Markt geregelt hat.

Heute sind aber der Arbeitsmarkt und der Verkäufermarkt voneinander getrennt und die Arbeitsmärkte liegen in Gegenden, die ein Arbeitsrecht noch nicht erfunden haben. War es im 19. Jahrhundert die Solidarität der Arbeiter, die Arbeitplatzregeln erzwungen haben, müssten es heute solidarische Staaten und solidarische Käufer sein, die Veränderungen herbei führen könnten.

Mieten statt Kaufen

Sepp Eisenriegler bietet ein neuartiges Miet-Konzept für Waschmaschinen an, das man am besten als Leasing bezeichnen kann. Man besitzt eine Waschmaschine nicht mehr, sondern man least sie um 18,- Euro pro Monat bei R.U.S.Z. Jährlich wird kontrolliert, wie intensiv die Maschine genutzt wurde. Wie bei einem Bonus-Malus-System kann sich bei geringer oder intensiver Nutzung die Miete verändern. Ist die Maschine defekt, wird sie ersetzt.

Der Vorteil ist, dass das Prinzip der Kreislaufwirtschaft unterstützt wird. Es kommen keine kurzlebigen Maschinen zum Einsatz. Auch wenn eine Maschine ersetzt werden muss, kann sie noch als Ersatzteillager dienen. Hat sie endgültig ausgedient, ist die fachgerechte Entsorgung ein Teil des Mietvertrags.

Vor-Ort-Reparatur

Auf der Webseite von R.U.S.Z. kann man eine Vor-Ort-Reparatur eines Geräts buchen.

Schraube 14 Repcafé

Wer ein defektes Kleingerät reparieren muss, kann dass jeden Donnerstag von 13-16:30 in der Lüzowgasse 12-14 im “Repcafé Schraube 14” unter fachlicher Anleitung und allen Geräten eines Mechatroniker-Fachbetriebs. Das Angebot ist kostenlos solange es von R.U.S.Z. finanzierbar ist. Die Bäckerei Ströck sponsert die Mehlspeisen. Repariert werden: Toaster, Mixer, Bügeleisen, Haarföhns, Kaffee-Filtermaschinen, Lampen und andere kleinere Elektrogeräte, die einfach aufgebaut sind. Nicht repariert werden Radios, Kaffemaschinen, Staubsauger, die müssen in die Werkstätte.

Geräte kaufen

R.U.S.Z. bietet wiederhergestellte Waschmaschinen und Audio-Geräte zum Kauf an, auch ein Neugerät, ein besonders empfehlenswertes Modell, ist zu haben.

Geräte spenden

Für eine Abholgebühr von nur 9,- Euro werden Altgeräte (Waschmaschine, Geschirrspüler, Trockner, Waschtrockner oder E-Herd) im Raum von Wien abgeholt, wenn ein Lift vorhanden ist. Nicht abgeholt werden Röhrenbildschirmgeräte und Kühlgeräte. Für eine alte Eudora-Waschmaschine gibt es einen 20-Euro-R.U.S.Z.-Gutschein.

Auszeichnungen

R.U.S.Z. wurde während seines 20-jährigen Bestands mehrfach ausgezeichnet:

Links

 

Wir bedanken uns bei Sepp Eisenriegler für den packenden Vortrag. Ich hatte den Eindruck, dass jeder der 30 aufmerksamen Zuhörer mit Vorsätzen nach Hause gegangen ist und in Zukunft das eigene Kaufverhalten überdenken wird. 

Wenn wir die Services von R.U.S.Z. in Zukunft als Clubgemeinschaft mehr nutzen, wird auch unsere Clubkarte bei R.U.S.Z. in einer noch zu vereinbarenden Form akzeptiert werden. 

Franz Fiala

Präsident Clubcomputer / Herausgeber PCNEWS bei ClubComputer.at
Franz ist pensionierter HTL Lehrer (TGM), Präsident von ClubComputer, Herausgeber der Clubzeitung PCNEWS und betreut unser Clubtelefon und Internet Support. Er ist leidenschaftlicher Rapid Wien Fan.

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