Der OneDrive funktioniert im Grunde sehr gut, allerdings muss man ihn nehmen wie er ist. Er menschelt ein bisschen. Genauer, er verhält sich so, wie Microsoft das eben will. Und das ist nicht immer so, wie man es selbst gerne hätte. 

Warum verschieben?

Warum sollte man den vom Betriebssystem angelegten OneDrive-Ordner verschieben?

Ein Grund könnte sein, dass auf dem aktuellen Laufwerk zu wenig Platz ist. Windows legt den OneDrive immer im Verzeichnis des aktuellen Benutzers unter c:\users (im Explorer als c:\benutzer angezeigt) an. Auf einem Stand-PC gibt es aber meist ein Datenlaufwerk und mit größer werdendem Datenvolumen im OneDrive ist das nicht der richtige Platz.

Bei mir ist der Grund ein anderer. Ich habe bei der Erstinstallation des OneDrive einen Ordner s:\onedrive_franz\ angegeben (weil es daneben auch noch onedrive_silvia und onedrive_florian gibt). Was man vorher nicht weiß, ist, dass Windows nicht diesen Ordnerpfad wählt, den man ihm angibt, sondern etwas eigenmächtig in diesen Ordner einen weiteren Ordner onedrive angelegt und daraus s:\onedrive_franz\onedrive macht.

Beim Befüllen des OneDrive mit bestehenden Daten werden ganze Verzeichnisbäume mit durchaus schon langen Pfadnamen in den OneDrive kopiert, mit dem Ergebnis, dass sich der Pfad um die Länge von "\onedrive_franz\onedrive", also um 24 Stellen verlängert, und das kann schon einmal die erlaubte Höchstlänge von 255 Zeichen übersteigen.

Um also den Pfad möglichst kurz zu machen, wollte ich den OneDrive-Ordner mit einem kürzeren Namen versehen, doch kürzer als s:\onedrive geht nicht, weil Windows auf einem einschließenden Ordnernamen onedrive besteht.

Anleitungen

Die vielen Anleitungen, die man durch Eingabe von “verschieben des onedrive ordners” in eine Internet-Suche findet, scheinen alle identisch zu sein. Hier zwei Beispiele:

Anleitung (Beispiel-1)

https://www.pc-magazin.de/ratgeber/onedrive-ordner-verschieben-microsoft-speicherplatz-systemlaufwerk-freigeben-3200660.html

Anleitung (Beispiel-2)

https://www.youtube.com/watch?v=kUw3YtB2Uv0

Einen wichtigen Punkt erwähnen die Anleitungen aber nicht, nämlich den, dass man den Ordnernamen nicht völlig frei vergeben kann. Außerdem erwähnen sie auch nicht, dass die Voreinstellung alle Dateien in der Cloud belässt. Bei einer Ersteinrichtung ist das weniger tragisch, weil es ja zu dem Zeitpunkt noch keine Dateien gibt, wenn man aber mit einem vollen OneDrive-Ordner startet – so wie eben beim Verschieben – gibt es damit ein Problem, denn wenn man nicht aufpasst, werden nach dem Verschieben der Dateien und Neuinstallation des OneDrive die Dateien am neuen Ort gelöscht (!) und nur bei Bedarf aus der Cloud auf den PC geholt.

Hier also die 101. Anleitung zum Verschieben des OneDrive Ordners.

Übersiedeln eines Cloud-Ordners

Man kann die Dateien eines Cloud-Ordners nicht einfach anderswohin verschieben, denn tut man es, würde der Replikationsmechanismus erkennen, dass die Dateien weg sind und sie daher auch in der Cloud löschen. Aber das will man natürlich nicht.

In den Einstellungen des OneDrive gibt es keine Möglichkeit, den Pfad zu verändern. Der Pfad wird während der Einrichtung festgelegt und kann nur im Zuge einer Neueinrichtung geändert werden.

Der OneDrive-Client merkt sich die vorherigen Einstellungen nicht, er beginnt also immer mit seinen eigenen Anfangswerten. Daher ist es gut, sich die bisherigen Einstellungen zu notieren und nach dem Verschieben der Dateien, unmittelbar nach der Wiederinbetriebnahme wieder so einzustellen, wie das vorher der Fall war, denn die Replikation startet unmittelbar nach der Einrichtung.

Grundsätzliche Vorgangsweise

Die Schritte zur Übersiedlung des OneDrive-Ordners sind also folgende:

  1. Kontoverknüpfung aufheben.
  2. Dateien inklusive den einschließenden Ordner OneDrive an den gewünschten neuen Ort verschieben.
  3. OneDrive neu installieren und dabei achten, dass der gewünschte neue Speicherort und nicht der Default-Wert c:\users\name\onedrive gewählt wird.
  4. Den OnDemand-Schalter richtig wählen und darauf achten, dass diese Einstellung auch bestehen bleibt.
  5. Warten, bis der OneDrive die Dateien wieder synchronisiert hat. (Den Fortschritt kann man über das Symbol in der Taskleiste mitverfolgen.

ad (1) Beachte, dass der OneDrive nicht automatisch mit dem Microsoft-Konto des PC verknüpft ist. Man muss den OneDrive auch bei einer Erstinstallation unabhängig vom PC-Konto in Betrieb nehmen und daher kann man dabei auch ein anderes Konto verwenden, wenn auch im Normalfall das PC-Konto und das OneDrive-Konto dasselbe sein werden.

Bilderfolge

Gehe nach dem optimistischen Bild 9 nicht schlafen (die Registrierung der Dateien kann bei 1 TB schon einige Zeit dauern), denn Du hast es noch nicht geschafft, wie Dir OneDrive weiß machen will. Denn Du musst möglicherweise noch Voreinstellungen ändern.

Die wichtigste Änderung, die man sofort machen muss, ist die korrekte Einstellung der OnDemand-Dateien (“Dateien bei Bedarf”, siehe Bild 10 letzte Checkbox ganz unten). Die Grundeinstellung des OneDrive ist nämlich die, dass alle Dateien immer nur online verfügbar sein sollen. Das ist für ein Handy oder Tablet wahrscheinlich OK, vielleicht auch für einen Laptop, nicht aber für einen Stand-PC, der in der Regel alle Dateien enthalten wird, die man auch in der Cloud speichert.

Wenn man also diese OnDemand-Einstellung für einen Stand-PC nicht umgehend korrigiert und die zugehörige Checkbox nicht ausschaltet, beginnt der OneDrive-Client munter alle Dateien am Client-PC zu löschen und mit einem Wolkensymbol zu versehen, statt mit einem grünen Hackerl. Die Dateien sind zwar nicht weg (sie sind noch in der Cloud), wenn man aber den Schaden feststellt und danach die von Microsoft voreingestellte OnDemand-Variante ausschaltet, muss OneDrive die Dateien wieder mühsam aus der Cloud auf den PC laden.

Achtung: es kommt leider vor, dass man das Hackerl bei dieser Einstellung entfernt und das Programm diese Änderung nicht akzeptiert und eigenmächtig wieder einschaltet. Beim zweiten Mal funktioniert es – hoffentlich.

Folgen

Diese Verschieberei hat Konsequenzen, wenn man Programme verwendet, die auf die frühere Ordnung zugreifen und diese Zugriffe in einem Verlauf speichern, zum Beispiel Office oder Visual Studio. Alle diese Pfade sind nunmehr falsch und müssen neu aufgebaut werden. Man kann das händisch machen, oder aber auch durch Suchen-und-Ersetzen in der Registry mit einem geeigneten Programm oder mit PowerShell. Das wird in einem Folgeartikel beschrieben.