Vier Webs, ein Thema

WordPress = WordPress + Thema + Plugins

Wer WordPress benutzt, braucht neben dem eigentlichen WordPress auch noch ein Thema, das für das Aussehen einer Seite verantwortlich ist und eine mehr oder weniger große Zahl von Plugins, und erst alles zusammen erzeugt eine WordPress-Seite. Es wird mit WordPress immer auch ein Thema mitgeliefert, aber außer für Demoseiten genügt der Leistungsumfang für die meisten Webs nicht.

Diese Komplexit├ñt ist Vor- und Nachteil zugleich. WordPress selbst bietet eine Art Minimum, das man unbedingt f├╝r den Betrieb einer Webseite ben├Âtigt, aber die Gesamtheit aller Stakeholder, der Entwickler von Themen und Plugins, schafft eine viele gr├Â├ƒere Entwicklerbasis als WordPress allein. Dieses gemeinsame (kommerzielle) Interesse schafft eine starke Kundenbindung.

Texteditor

Der an die Textverarbeitung am PC angelehnte in WordPress urspr├╝nglich eingebaute Editor „Tiny MCE“ ist f├╝r die vielf├ñltigen Gestaltungsaufgaben nicht geeignet, weil das immer gleiche Men├╝ mit jeder neuen Aufgabe un├╝bersichtlicher wurde. Jede neue Funktionalit├ñt (die durch Plugins eingef├╝gt wurde) erzeugt weitere Symbole und bald ist kein Platz mehr f├╝r den eigentlichen Text.

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Blick auf den klassischen Editor „Tiny MCE“ von WordPress

Plugins

Plugins zu beschreiben, ist eine endlose Geschichte, wir fangen daher gar nicht erst damit an. So viel sei aber angemerkt: die Interaktivit├ñt moderner Webseiten erfordert Funktionalit├ñten, die ein klassischer Editor nicht zu leisten imstande ist. Beispiel: Accordions, Responsiveness, Buttons, Collapse, Dropdowns, Spinners… F├╝r jedes dieser Darstellungsfeatures ben├Âtigte man in der Vergangenheit ein Plugin oder als Komplettl├Âsung einen SiteBuilder.

Bisher war es so, dass wegen der Vielzahl der Themen kaum zwei WordPress-Webs dasselbe Thema verwendet haben. Designer von Themen gestalteten eigene Welten, und man musste sich sowohl in WordPress als auch in die Besonderheiten eines Themas einarbeiten. Wenn ein Thema eine gewünschte Änderung nicht zuließ, musste man sich ein anderes Thema besorgen oder selbst programmieren.

Themen und Site-Builder

Die Hersteller der Website-Builder Elementor und Divi haben aus dem Anwender einen kleinen Webdesigner gemacht, weil er mit ihnen Kontrolle ├╝ber die ganze Webseite bekommen hat, damit allerdings auch gleichzeitig in die Abh├ñngigkeit von zwei Herstellern geraten ist. W├ñhrend man n├ñmlich ein Thema noch relativ einfach wechseln kann, ist das beim Website-Builder – sofern man sich auf einen solchen eingelassen hat – schon viel schwieriger.

Wer also eine moderne Webseite will, musste sich bisher auf einen der popul├ñren Website-Builder einlassen – und damit eine langfristige Abh├ñngigkeit von zwei Herstellern eingehen.

Diese Webseite benutzt den Website-Builder Divi f├╝r die Seitenstruktur. Jede einzelne Seite – also auch dieser Artikel wird mit dem Blockeditor „Gutenberg“ von WordPress gestaltet.

Blockeditor

WordPress ist schnell und stark gewachsen. Gleichzeitig stieg der Bedarf der Anwender nach modernen Entwurfsprinzipien. Diesen Bedarf deckten die Website-Builder ab, und ein gewisser Teil der weltweiten WordPress-Installationen benutzt nicht mehr ein klassisches Thema, sondern einen Website-Builder.

WordPress begann in dieser Situation mit Version 5.0 Terrain zur├╝ckzuerobern; einerseits im Bereich des Texteditors durch die Einf├╝hrung des Gutenberg Blockeditors, der die Komplexit├ñt des Editierens einer Webseite in ├╝berschaubare Bl├Âcke reduziert, gleichzeitig die dazugeh├Ârenden Werkzeuge im Kontextmen├╝ anbietet, anderseits durch die Einf├╝hrung des blockbasierten Ganzseiteneditors ab Version 5.9.

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Blockeditor „Gutenberg“.
Links: Bl├Âcke (es gibt Hunderte);
Mitte: Kurzmen├╝, das f├╝r den betreffenden Block („Absatz“) erforderlich ist;
Rechts. weitergehende Formatierungen f├╝r diesen Block-

Programmierer von Plugins, die zur Verbesserung der Darstellung dienen, programmieren nunmehr Bl├Âcke oder Blockbibliotheken.

Die folgenden Bilder illustrieren die drei Ansichten einer Seite:

  • Webansicht
  • Seite bearbeiten
  • Website bearbeiten

Webansicht

Diese Ansicht sieht der Besucher einer Seite.

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Seite www.ewkil.at. Men├╝, drei Spalten (links: Blog, mitte: Kalender; rechts: Pressemeldungen)

Seite bearbeiten

Bearbeitet man diese Seite, findet man im linken Men├╝ eine Listenansicht, die die Struktur der Seite darstellt.

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Die Listenansicht (links) stellt die Struktur der Seite an.

Website bearbeiten

Wenn man die Struktur der Seite bearbeitet ist man sozusagen so etwas wie ein Webdesigner. Wieder findet man links ein Listenmenü, allerdings kann man hier auch die Kopfzeile mit dem Menü und die Fußzeile bearbeiten. Die Anzahl der verwendeten Spalten wird nicht mehr durch das Thema festgelegt, sondern kann über den Blockeditor verändert werden.

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Im Listenmen├╝ (links) sind auch Header und Footer bearbeitbar

In einem der vielen Schulungsvideos meinte ein Experte, dass man damit rechnet, dass die vielen kleinen Ungereimtheiten, die derzeit noch im neuen Website-Editor zu finden sind, im Laufe der Updates im laufenden Jahr beseitig sein werden.

Die gute Nachricht: wer bisher ein klassisches WordPress-Web mit einem ├ñlteren Thema betreibt, wird von den zahlreichen Neuerungen gar nichts merken, alles bleibt, wie es ist. Wenn man aber das neue Thema Twenty Twentytwo installiert, verschwindet der bisherige Customizer*) und wird durch den Men├╝punkt „Website bearbeiten“ ersetzt. Ebenso verschwinden im Design die Werkzeuge Men├╝ und Widgets, weil beides im Rahmen des Website-Editors bedienbar wird.

*) Es kann auch sein, dass der Customizer, Men├╝s und Widgets immer noch vorhanden sind, wenn installierte Plugins das erfordern.

Website-Editor

Ein Mitglied fragte mich, wie man sich in WordPress einarbeiten kann. Man kann durchaus ein paar YouTube-Videos konsumieren, um in die Begriffswelt einzutauchen, danach ist es aber am besten, ein Projekt umzusetzen. Ich habe mit gro├ƒer Begeisterung f├╝r die neuen M├Âglichkeiten drei Webs mit dem neuen Thema Twenty Twentytwo angelegt, und man w├╝rde nicht auf die Idee kommen, dass diese vier Seiten mit demselben Thema gemacht worden w├ñren.

Vergleich der Webseiten

(1) http://wptest.clubcomputer.at

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Unveränderte Installation des Themas Twenty Twentytwo mit den Templates

  • Startseite: Wird entweder als Startseite der Website angezeigt oder als Beitragsseite, wenn eine statische Startseite nicht gesetzt wurde.
  • Index: Zeigt die Beitr├ñge an.
  • Seite: zeigt eine einzelne Seite an
  • Beitrag: zeigt einen Beitrag an
  • Leer: leere, wei├ƒe Seite
  • 404: Fehlerseite

(2) http://entreamigos.at.customer.ccc.at

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Tango lernen mit Walter.


(3) http://arbeitermonteurzimmer.at

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Zimmervermietung in Rothneusiedl.

Eine Besonderheit ist das Panoramabild im Kopf der Seite. Alle Seiten wurden nach einer Frontpage-Vorlage angelegt. Es gibt eine interaktive Google-Landkarte f├╝r Rothneusiedl.


(4) http://www.ewkil.at

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Wissenswertes ├╝ber Rapid.

Eine Besonderheit ist das komplexe Men├╝ in der Kopfzeile f├╝r dessen Herstellung man nichts editieren muss, wenn die Seiten hierarchisch korrekt angeordnet worden sind.

Weiters wurde die M├Âglichkeit eines Farbverlaufs f├╝r den Hintergrund ausgenutzt.

Anmerkungen

Der neue Ganzseiteneditor ist noch im Betastadium, viele Ungereimtheiten werden wohl im Laufe der kommenden Updates verschwinden.

F├╝r einen Anf├ñnger ist es einfacher, sich das Layout (Header, Footer…) herstellen zu lassen und sich auf den eigentlichen Inhalt zu konzentrieren.

Links

Titelbild aus Pixabay. Das Bild symbolisiert, dass WordPress mit den Umgebungsgeräuschen wie eben den Site-Buildern zu kämpfen hat.