Partielle Körperwäsche für den Frieden

Angefangen hat es schon 2016. Dieser denkwürdige Tag, als es Millionen von Cis-Männern den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Bis dahin mühsam antrainierte, rustikale Tischmanieren wurden fortlaufend gegen sozial gerechte Umgangsformen eingetauscht. Angefangen von der Unverträglichkeitskennzeichnung der Speisen bis zum Erfragen des persönlichen Pronomens vor einer Konversation sind das nur die Mittelstationen hin zur klimaneutralen Gesellschaft.

Mit Schaudern denke ich an die digitalen Abenteuer in Afrika zurück, als noch ausgebeutete Bedienstete totes Vieh auf den Holztisch bugsierten, um die ausgehungerte Meute ruhig zu stellen. Da kann man schimpfen, was man will, aber erst dadurch bekam der Tag die dringend benötigte Struktur. Gleich zu Anfang wusste auch ein pazifistischer Walfangharpunierer schon exakt, wer die Guten und wer die Bösen waren. Wenn ich heute in die ZIB reinschiele, verlangt mir diese Unterscheidung schon fast Übermenschliches ab. Die Wahl zwischen dem Fragesteller oder dem euphemistisch herumtänzelnden Empfänger kann einem niemand abnehmen. Nicht einmal Waldorf und Elster.

All diese festigenden Strukturen einer Gesellschaft sind nun in Auflösung begriffen. Die Guten waren meist weniger betucht, dafür immer hungrig und einer emissionsarmen Verdauungsschlägerei nie abgeneigt. Messer wurden nur von Austrianern gezogen und die Bösen gleich mit dem Mobiliar bekannt gemacht. Die Frauen zogen sich noch wie Frauen an, ließen sich sogar vor der Kamera an den Po fassen und taten ihre Meinung auch außerhalb von Angsträumen kund. All das verschwindet immer mehr, genauso wie Bud Spencer und seine toxische Männlichkeit im Brackwasser der Beliebigkeit. Siehe Bild 1.

Bild 1

Und mit dem weiblichen Gegenstück Olivia Newton John, welche noch überkommene Vorstellungen mit bipolaren Rollenbildern auf der Leinwand verkörperte, verabschiedete sich dieser Tage eine weitere Bastion des gepflegten Bürgertums. Der Wandel der Zeit ist nicht aufzuhalten.

Aber Dank meiner Hartnäckigkeit bekam ich nun die Bestätigung in schriftlicher Form, dass ich trotzdem auf dem richtigen Weg bin. Ich wusste und spürte es immer schon, dass die »SSD-Diagonaldenker*_innen« auf dem Holzweg sind. Siehe Bild 2.

Bild 2

Somit war die im vorigen Artikel eingebaute mechanische Festplatte der Beweis für mein umweltverträgliches Engagement. Durch den Einbau des 12 Jahre alten Staubfängers konnte ich meinen digitalen Ablasshandel auch Externen plausibel näherbringen. Und das ist der Trick an der ganzen Sache.

Jeder kennt die Situation, wenn am Tisch die hitzigen Diskussionen betreffend der Energiesparmaßnahmen mit der partiellen Körperwäsche oder dem Gendergedöhns aufflammen. Selbstredend wird das von vielen abgelehnt, um mit alternativen Beispielen die Anschuldigungen zu entkräften. „wos isn do bessa, wenn i a Elektroauto kauf, do wird jo allanich für deren Erzeugung viel mehr kaputt gemacht“ oder „gendern bringt keinem etwas, weil das auch viele Frauen nicht wollen“. Und außerdem dürfen theoretisch Männer und Frauen Gleichstellungsbeauftragte werden, praktisch nur gesellschaftliche Konstrukte der Sorte Frau.

Der Punkt ist, dass man mit Hausverstand und rationalen Argumenten da nicht weiterkommt. Gegen Ideologien ist das der falsche Ansatz und vor allem zermürbt dies extrem, wenn man dauernd in einem Rechtfertigungsnotstand gehalten wird.
Der einzige Zugang, welcher auch der Psychohygiene entgegenkommt, ist jener, dass man seine Blase nicht verlässt und sich nur mit den entsprechenden Leuten umgibt.

Oder man tut es wie der brave Soldat Schwejk, welcher seine Aufgaben nicht nur erfüllt, sondern immer über-erfüllt hat. Man muss die anderen mit deren eigenen Waffen schlagen, sodass diese nun in einen Rechtfertigungsnotstand kommen. Liegt das einem jeden? Nein. Aber was ist die Alternative? Verärgert seinen Mund fusselig reden? Das funktioniert mit der mechanischen Festplatte genauso wie im öffentlichen Raum. Natürlich macht man das nur nach Bedarf und selektiv. Wie die Gegenseite auch. Vor einer Baustelle auf dem Radweg forderte mich kürzlich ein Sicherheitsmitarbeiter auf, vom Rad abzusteigen. Mein deeskalierender Schwejk-Satz a la »ich will von ihnen als Frau gelesen und auch so angesprochen werden« verschaffte mir zumindest so viel Zeit, um das konsternierte Gegenüber mit offenem Mund zurückzulassen.

Dagegen kann man nicht rational argumentieren, jedoch die Gegenseite ziemlich sicher aus der Fassung bringen, weil diese jetzt ihr eigenes Spiel mitspielen muss. Das ist nur das Ergebnis eines Prozesses der Transformation von einer intellektuellen hin zu einer emotionalen Gesellschaft. So eine Mischung aus Gender und Lifestyle/Gesellschaftsblabla. Es ist keine wissenschaftliche Substanz mehr erkennbar. Erkennbar ist nur, dass Autos und Einfamilienhäuser wegmüssen und es kein Fleisch mehr zu essen gibt. Nur wie stoppt man einen politischen und gesellschaftlich vorrückenden Wahnsinn, der mittlerweile als Normalität und Wahrheit verklärt daherkommt?

Alle logischen Gegenargumente verpuffen, da die Gegenseite genauso in ihrer Matrix gefangen ist. Und um den Kreis zu schließen, ja, Bud Spencer hatte es da entschieden einfacher. Und die Frauen auch. Einen missionierenden Veganer hätten die damals gleich auf den Grill als Beilage gelegt.

Und falls sich wer über Deine Dieselkarre aufregt, halte ihm einfach seine SSD im Laptop vor Augen und höre Dir kopfschüttelnd die Rechtfertigungsversuche an. Dann kann man sich immer noch ausschnapsen, wer der größere Strolch ist. Es gibt in diesen Diskussionen einfach keinen gütlichen Ausgang mehr. Wie absurd diese Aussagen auch sind, gegen den moralischen Imperativ kommt man mit Sachargumenten nicht an. Die Intellektuellen produzieren nämlich keine schnöden Güter oder triviale Dienstleistungen, sondern Sinn. Daher müssen alle Aspekte unserer Gesellschaften und Volkswirtschaften umgestaltet werden.

Dieser Prozess ist nicht mehr aufzuhalten und spiegelt sich im täglichen Zusammenleben wider. Schon mal Zeitungsartikel gelesen? Was man da dem Leser an Rechtschreibfehlern zumutet, ist schon sagenhaft. Schau Dir mal die Feldpost von Soldaten aus dem ersten Weltkrieg an und vergleiche das mit heutigen Schreiben. Die Richtung sollte klar sein.
Schon mal das Bild drei angeschaut?

Bild 3

Wie willst Du da sachlich argumentieren, wenn ein Hund im Kinderwagen U-Bahn fährt. Da kannst Du noch so oft die Vorteile einer SSD anpreisen, wenn Du damit das Klima bedrohst, hast Du verloren. Und wenn Du einwendest, dass das ein Hund im Kinderwagen ist, kann ich Dich beruhigen. Ich habe schon zwei ausgewachsene Schäferhunde im Zwillingskinderwagen gesehen. Da kannst Du wie bei der SSD mit rationalen Argumenten einpacken. Hier sind es nur monetäre Gründe, denn ein Hund ohne geschlossenem Behälter muss ein Ticket kaufen, im verschließbaren Behälter jedoch nicht. Darum erspart man sich mit dem verschließbaren Kinderwagen auch das Herumtragen. Es ist, wie es ist. Egal, ob Klima, Gender oder die SSD. Das sind nur Wegweiser der Zukunft.

So, genug gesudert. Zeit für einen Youtube-Besuch mit Bud in Afrika.

Man liest sich, Gruß Günter

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