EKG zu Hause messen?

Angefangen hat es damit, dass ich im Jahr 2018 zufällig beim Tasten meines Pulses am Handgelenk (Arteria radialis) immer wieder das Fehlen eines Pulsschlages bemerkte. Heute weiß ich, dass dieses Pulsdefizit durch nicht kreislaufwirksame Extrasystolen im Herzen entstehen, die sich im EKG als Doppelpulse zeigen (supraventrikuläre Bigemini, dabei bewirkt der 2. Impuls keine Kontraktion des Herzens). Das ist nicht besorgniserregend und ich habe es nicht weiter beachtet. Ein anderes Mal spürte ich den Puls am Handgelenk nur ganz schwach, aber er war unglaublich schnell (supraventrikuläre Tachykardie).

Der erste Arztbesuch brachte nichts, weil bei dem in der Arztpraxis aufgenommenen EKG keine Auffälligkeiten zu sehen waren und daher der Arzt meine Schilderungen anzweifelte. Als des Öfteren mein Blutdruckmesser am Oberarm zusätzlich zum Blutdruck das Symbol “Arrhythmie” anzeigte und einmal sogar die Pulsfrequenz bei 140/min lag (in Ruhe, ohne Anstrengung), wusste ich, dass es Zeit war, das sporadische Fehlverhalten meines Herzens zu beweisen.


Pulsmessgeräte – sowohl mit Brustgurt als auch mit Finger-Pulsoximeter – kommen dafür nicht in Frage, weil sie zwar einen erhöhten Puls anzeigen können, aber sie bilden immer einen Mittelwert über einige Sekunden, sodass einzelne Fehlschläge des Herzens nicht erkennbar sind. Als Lösung bieten sich mobile EKG-Geräte an, die entweder mit mehreren Kabeln (für eine Ableitung der Herzströme nach Einthoven) oder mit eingebauten Elektroden ausgerüstet sind, die anhand und Brust gedrückt werden. Mir erschien aufgrund von Beschreibungen im Internet das im Bild gezeigte kleine Gerät (10x4x1cm) Beurer ME80 am besten geeignet.

Die Elektroden an den beiden Enden des Gerätes werden mit dem rechten Zeigefinger und der linken Brustseite in Kontakt gebracht.

Wenn ich das Gefühl habe, dass sich mein Herz ungewöhnlich verhält, kann ich für 30 Sekunden ein einfaches Einkanal-EKG machen. Das reicht aus, um die Impulsfolge des Herzens für diesen Zeitraum grafisch darzustellen. Während der Aufzeichnung blinkt bei jedem Herzschlag eine LED und gleichzeitig wird aus dem zeitlichen Abstand zum vorangegangenen Herzschlag die zugehörige Herzfrequenz errechnet und laufend angezeigt. Aus diesen beiden Anzeigen lässt sich bereits während der Messung erkennen, ob ein gleichmäßiger oder sehr variabler Herzrhythmus vorliegt. Die Aufzeichnungen werden gespeichert, der eingebaute Speicher reicht für 99 Messungen. Sie können mit der auf einer CD mitgelieferten Software für Windows auf den PC überspielt (USB) und nur am PC angezeigt werden. Auch der Ausdruck ausgewählter Aufzeichnungen ist möglich. Während das EKG-Gerät mit dem PC verbunden ist, wird der eingebaute Akku aufgeladen.

Mit diesem mobilen EKG-Gerät kann ich also ein Ruhe-EKG machen und Ausdrucke herstellen, die meine Herzrhythmusstörungen belegen, wenn sie außerhalb der Arztpraxis auftreten. Der Arzt kann dann anhand der mitgebrachten Ausdrucke entscheiden, ob und gegebenenfalls welche Gegenmaßnahmen erforderlich sind. Das war dann 2021 der Fall, als ein Internist Vorhofflimmern diagnostizierte. Seitdem nehme ich ein paar Tabletten, wodurch bisher Blutdruck, Puls und EKG in Ordnung sind.

Mit dem EKG-Gerät ist einiges erkennbar: Im ersten Diagramm sind Extrasystolen zu sehen. Die mittlere Herzfrequenz ist normal, um die 60 Herzschläge pro Minute, aber beim Puls (am Handgelenk) können bei der schnellen Aufeinanderfolge der elektrischen Impulse einzelne Pulse des Herzens sehr klein ausfallen oder fehlen (Pulsdefizit).

Im zweiten Diagramm ist eine hohe Herzfrequenz zu sehen (um die 147 Herzschläge pro Minute). Die Amplitude ist kleiner als im oberen Bild, das kann aber auch daran liegen, dass der Kontaktpunkt auf der Haut nicht identisch ist.

Nachbemerkung: Zum ME80 gibt es das Nachfolgemodell ME90. Die Unterschiede sind ein eingebautes Bluetooth (zur Verbindung mit Smartphones) und die Stromversorgung erfolgt nicht über einen eingebauten Akku, sondern mittels Batterien (Knopfzellen).

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Ernst Reinwein

Absolvent HTL für Nachrichtentechnik, beruflich befasst mit vielen messtechnischen Aufgaben, von Untersuchungen an Funktelefonen bis zu Abnahmeprüfungen von Messgeräten für die österreichischen Funküberwachungen. Tätigkeit in inländischen und internationalen Normungsgremien. 2005 als Regierungsrat und Amtsdirektor in den Ruhestand getreten.

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