Facebook und Twitter sind die “etwas” vergrößerten Stammtische der Gegenwart. Während bei Bierzelten die Botschaft der Basis den Adressatenkreis am Tisch kaum verlässt, hört heute die ganze Welt mit und kann die Wirkung dieser Botschaften durch “Teilen” (Facebook) und “Retweeten” (Twitter) vervielfachen.

Twitter, der moderne Herold

Ein mittelalterlicher Herold vervielfachte einen königlichen Erlass mit großem Pomp am Hauptplatz einer Gemeinde. Zwar gibt es heute statt der früheren Herolde Presseabteilungen, die Botschaften dem Zielpublikum anpassen, doch durch Twitter scheinen auch diese zunehmend brotlos zu werden, da sich die Machthaber des direkten Drahts zum Wahlvolk – Twitter eben – bedienen.

Das Bild “Präsident twittert”, könnte auch als “Präsident hat einen Vogel” interpretiert werden und letzteres hat Werner bei unserem Ankündigungsfoto befürchtet, allerdings sollte das natürlich “Werner erklärt uns Twitter” heißen:

Schon wegen dieser großen Bedeutung von Twitter für Verlautbarungen sollte man über die Funktionalität dieses Mediums Bescheid wissen, auch wenn man es selbst gar nicht nutzt.

Account – Tweets – Follow – Follower – Like

Man selbst ist ein “Account” und es ist egal, ob dahinter eine Person steckt oder eine Institution. Die Profilansicht eines Accounts zeigt, wie viele Tweets, also eigene Meldungen, abgesetzt worden sind, wie vielen Accounts man selbst folgt, wie viele Accounts dem eigenen Account folgen und wie vielen Accounts die eigene Seite gefällt.

Anders als in Facebook unterscheiden sich institutionelle Account überhaupt nicht von privaten Accounts, alle diese Accounts verhalten sich gleich. Die Digital Society folgt 581 anderen Accounts und hat selbst 501 Follower und darüber hinaus beachtliche 901 Likes. Die Facebook-Seite der Digital Society dagegen kann – anders als ein persönlicher Account – keinen anderen Facebook-Accounts folgen oder sich mit ihnen befreunden.

Timeline

Schlägt man die Seite von Twitter auf, dann sieht man die Timeline, das sind alle Tweets von Accounts, denen man selbst folgt in einer chronologischen Anordnung, die neuesten zuerst. Dazu kommen unvermeidliche Werbebotschaften. Insofern unterscheiden sich Facebook und Twitter nicht.

Ich selbst bin in Twitter nur durch einen Account vertreten  Anmeldung vertreten und bevorzuge Facebook*) doch hat mir der Vortrag von Werner Illsinger am 6. November 2018 die Unterschiede deutlich gemacht und ich werde zukünftig Twitter gezielter anwenden. Für mich ist Facebook eher ein “Stammtisch” und Twitter eher eine Verlautbarungs- und Diskussionsplattform für Politiker, Journalisten und Marketing. Der Stammtischcharakter in Facebook kommt durch das Element des “Sich-Befreundens” zustande, wodurch Beziehungen entstehen und jeder der beiden “Freunde” die Postings des jeweils anderen in seiner Timeline sieht. Was genau man von allen anderen sehen könnte, kann man in Facebook sehr genau einstellen, man kann daher für Fremde geradezu unsichtbar werden. Das funktioniert in Twitter nicht, alle Postings (=Tweets) sind öffentlich und können daher von jedermann gesehen werden. Vielleicht ist es gerade dieser Unterschied, der das unterschiedliche Verbreitungsgebiet von Facebook und Twitter  erklärt. In Twitter in jeder eine öffentliche Person.

Verifizierte Person

So wie in Facebook gibt es in Twitter massenhaft Fake-Accounts. Es gibt etwa mehrere “Armin Wolf”- oder “Donald J. Trump”-Accounts wobei einige wohl auf einer Namensgleichheit beruhen aber viele davon auch Fake-Accounts sind. Anders als in Facebook gibt es in Twitter aber verfizierte Accounts, sodass man die Echtheit des Accounts bestätigt bekommt. Bestätigt wird das durch ein blaues Hackerl neben dem Namen und daher sind solche bestätigte Accounts als seriöse Informationsquellen zu bewerten. So ganz einfach dürfte es nicht sein, zu einem solchen verifizierten Account zu kommen, denn beispielsweise sind Presse und Kurier nicht verifiziert, DerStandard aber schon.

Textlänge

Bei Twitter gibt es eine ziemlich willkürliche, aber sehr prägende Einschränkung auf (früher) 140 (heute) 280 Zeichen für den eigentlichen Text. Entstanden wird das wohl durch die anfängliche Übertragung über SMS entstanden sein. Man muss sich also kurz fassen. Weitergehende Texte fügt man durch Links zu der eigenen Webseite sein.

Freund und Follower

Bei Facebook befreundet man sich, bei Twitter folgt man jemandem (und liest dessen Tweets und ist daher dessen Follower). Das ist auch bei Facebook möglich, zum Beispiel bei Like-Seiten (Institutionen oder öffentliche Personen). aber bei Twitter ist es die Grundfunktionalität. Facebook ist persönlicher, Twitter ist sachlicher.

Twitter ist beziehungslos

Facebook beruht auf Beziehungen (Freunde), Twitter ist beziehungslos. Faceook-Postings können (je nach Einstellung) nur von Freunden gesehen werden, bei Twitter sind Tweets von jedermann sichtbar. Man kann sich in Twitter gegen Follower nicht wehren, man ist daher in der Facebook-Terminologie immer eine öffentliche Person und hat keine Privatsphäre und kann eine solche auch nicht einstellen, hingegen kann man bei Facebook die Freundschaft beenden und sein Konto so einstellen, dass tatsächlich niemand außer eben den Freunden die eigenen Posting sieht.

Aus dieser grundsätzlichen Öffentlichkeit folgt, dass man die Beziehungen in der Twitter-Gemeinde analysieren kann. Eine Studie der TU-Wien zeigt in eindrucksvollen Grafiken typische Informationsblasen in Twitter:

 

Retweet

Mit einem Retweet verbreiten sich Nachrichten über den Kreis der Follower des ursprünglichen Autors hinaus. Wenn also zum Beispiel jemand 10 Follower hat und etwas postet, dann erreicht er damit 10 Personen. Wenn aber die Meldung interessant ist und von allen Followern an deren weitere 10 Follower retweetet wird, erreicht man weitere 100 Personen usw. Ein Retweet in Twitter entspricht der “Teilen”-Funktion aus Facebook.

Hashtags

Eine Besonderheit in Twitter sind Hashtags, das sind Stichwörter, mit mit einer Raute ‘#’ eingeleitet werden. Kommt in einem Tweet ein solcher Hashtag vor (oder hängt man diesen Hashtag an den Tweet an), kann dieser Tweet von jedem gesehen werden, der nach diesem Hashtag sucht, also auch von Personen, dessen Follower man nicht ist. Findet man die Kommentare einer dieser Personen als hilfreich, kann man demjenigen folgen und sieht danach alle seine Kommentare.

Jeder kann solche Hashtags vergeben oder selbst einen der populären Hastags verwenden, wenn er zu einem aktuellen Ereignis Stellung beziehen will. Beliebt sind zum Beispiel Kommentare zu laufenden Fernsehsendungen wie zum Beispiel #imzentrum oder #zib2.

Facebook <-> Twitter

Die beiden Dienste übernehmen gerne populäre Elemente des jeweils anderen. Etwa gibt es das “Like” (=”gefällt mir”) nunmehr auch in Twitter und wird als Herzerl dargestellt und in Facebook gibt es mittlerweile auch die Hashtags aus Twitter. Wer allerdings versucht, zum Vergleich Postings (Facebook) und Tweets (Twitter) mit dem Hashtag #zib2 zu suchen, kann gleich sehen, dass Facebook die Hashtags nicht erfunden hat, beziehungsweise dessen User die nicht im Sinne von Twitter verwenden.

Die folgende Grafik fasst die Interaktionsmöglichkeiten von Twitter zusammen:

Wir bedanken uns bei Werner für die Einblicke in die Twitter-Welt und seine Gedanken zur Bedeutung der digitalen Transformation für unser Leben. 

Links

 

*) Der Grund für meine Bevorzugung von Facebook ist, dass die zunächst nur als oberflächlich eingestuften “Freundschaften” sich im Laufe der Jahre im Einzelfall durchaus zu echten Freundschaften entwickeln können und dass man mit Familie und weit entfernten Freunden gut Kontakt halten kann. Hätte ich diese Facebook-Postings auf meiner Homepage platziert, würden sie nur von ganz wenigen Leuten wahrgenommen werden. Bei Bewerben eigener Anliegen wie zum Beispiel “ClubComputer” oder “Rapid” ist Facebook sehr gut geeignet. Außerdem ergibt die Timeline ein prächtiges Tagebuch, das anderswo nur mit sehr viel technischem Aufwand realisierbar wäre, dort allerdings mit viel geringerer Öffentlichkeitswirkung.

Allerdings werde ich nach den Eindrücken des Vortrags von Werner das Abonnieren tagesaktueller Quellen eher nach Twitter verlagern und die persönlichen Postings, die in Twitter wohl niemanden interessieren in Facebook belassen.

Franz Fiala

Präsident Clubcomputer / Herausgeber PCNEWS bei ClubComputer.at
Franz ist pensionierter HTL Lehrer (TGM), Präsident von ClubComputer, Herausgeber der Clubzeitung PCNEWS und betreut unser Clubtelefon und Internet Support. Er ist leidenschaftlicher Rapid Wien Fan.

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