Variable Ladepreise

Wenn man als Neuling in die Welt der Elektromobilität eintaucht, gibt es abseits der Begeisterung für das angenehme Fahrerlebnis gleichzeitig Überraschungen bei der Ladeinfrastruktur.

Österreich ist mit Ladepunkten durchschnittlich gut ausgestattet. Der BEÖ (Bundesverband Elektromobilität Österreich) zählt bereits 8.000 öffentliche Ladepunkte, davon 5.000 im BEÖ-Netz. Die Neuzulassungen haben sich seit dem letzten Jahr verdreifacht, nicht zuletzt wegen der staatlichen Förderungen. (E-Autos in Österreich)

Österreich liegt mit 35 Ladestationen pro 100.000 Einwohner über dem EU-Schnitt (20), was aber wegen dem starken Gefälle in Richtung Osten kein Grund zur Freude ist. Auch die südlichen Länder Italien (4) und Spanien (10) hinken deutlich hinterher. Die europäischen Vorreiter sind Norwegen und die Niederlande mit ca. 180 Ladestation pro 100.000 Einwohner.

Anzahl der Ladestation in europäischen Ländern (pro 100.000 Einwohner)

185 Norwegen
180 Niederlande
46 Schweiz
45 Dänemark
38 Schweden
37 Luxemburg
35 Österreich
29 Estland
25 Deutschland
24 Frankreich
23 Slowenien
22 Malta
21 Großbritannien
21 Irland
20 EU-28
17 Finnland
15 Belgien
15 Island
12 Portugal
10 Spanien
8 Slowakei
6 Kroatien
5 Tschechien
4 Italien
4 Lettland
4 Zypern
2 Ungarn
1 Polen

Warum nicht automatisch an jeder Mineralöltankstelle ein oder mehrere Ladepunkte eingerichtet werden oder – so wie ein Elektroautofahrer über die Schweiz berichtet – eine Ladestelle zur Grundausrüstung eines jeden Rastplatzes gehört, das muss man einfach derzeit noch zur Kenntnis nehmen und die eigene Ladestrategie diesen Gegebenheiten anpassen.

Preis pro Liter und pro Kilowattstunde

Die Vergleichsgröße beim Tanken ist der Literpreis. Wenn man nun vermutet, dass beim Laden eines Elektroautos der Vergleichspreis die Kilowattstunde ist – etwa so wie bei der Verrechnung des Haushaltsstroms, dann liegt man falsch. Bei keiner Ladestelle wird der Preis pro Kilowattstunde ausgewiesen. Man muss sich diesen Preis aus den Abrechnungen herausrechnen.

Keine Preisauszeichnung

Was mich besonders überrascht, ist die Art, wie mit der hierorts verbindlich vorgeschriebenen Preisauszeichnung umgegangen wird, denn es er gibt keine. Man steht vor einer Ladestelle irgendeines Betreibers, mehrere Ladekarten in der Hand, aber es gibt keine Möglichkeit, festzustellen, welchen Preis man bei welcher dieser Ladekarten erwarten kann. Irgendwo, auf irgendeiner Homepage des Verrechnungsproviders steht der Preis, nicht aber an der Ladesäule. Und der Preis kann enorm variieren.

Beispiel: von meinen sechs Ladekarten funktionieren bei den Hochleistungsladern von ionity entlang der Autobahnen nur zwei; We Charge (VW) und sie Ladekarte des EMC-Austria. Was man erwarten würde: man streicht mit der Karte über das RFID-Feld und der Automat teilt mit: “Karte gültig” oder “Karte ungültig”. Wenn sie gültig ist, dann erwartet man den Preis pro kWh. Aber den erfährt man nicht. Laden kann man, aber wieviel es gekostet hat, erfährt man erst bei der monatlichen Abrechnung.

Abhilfe

Zum Glück gibt es tolle Apps, die einen dynamischen Preisvergleich ermöglichen, sodass man sich über den günstigsten Preis informieren kann. Aber diese Apps stammen nicht vom jeweiligen Anbieter sondern werden vom Betreiber der App gesammelt, die Preise müssen also nicht tagesaktuell sein. Und ob das Laden wirklich so günstig war, wie es die App versprochen hat, das erfährt man erst am Monatsende. Einen Beleg für das Laden an der Ladesäule gibt es nicht.

Vergleich von Monatsabrechnungen

Und dann kommt sie, die Monatsrechnung, und man ist erstaunt, dass nicht immer die erwarteten Angaben auf der Rechnung zu finden sind. Die folgende Tabelle zeigt drei verschiedene Ladestellen. Geladen wurde von etwa 20% Akkustand auf 80% Akkustand. Die bei Weitem günstigste Ladestelle ist Smatrics am Verteilerkreis mit der Ladekarte von Energie Burgenland.

Die hier gezeigten Preisunterschiede sind schon sehr moderat, weil bereits über die jeweils günstigsten Ladekarten verrechnet wurde. die Preis können – bei Verwendung einer unzweckmäßigen Ladekarte auch viel höher sein.

BetreiberionitySmatricsWien Energie
Adresse des LadepunktesSteinhäuslVerteilerkreisHerzgasse
StromartGleichstromGleichstromWechselstrom
SteckertypCCSCCSTyp 2
VerrechnungsartEnergieEnergieZeit
Verrechnet durchWe Charge (VW)Energie BurgenlandWien Energie
Leistung350 kW350 kW11 kW
Durch Auto genutzt100 kw100 kW11 kW
Preis pro Stunde2,90 €
Preis pro kWh0,51 € (errechnet)0,25 € (errechnet)0,26 € (errechnet)
Beginn, Ende und Dauer37 min37 min3 h
Energiemenge33,21 kWhnicht angegeben33 kWh
Durchschnittliche Ladeleistung54 kWnicht angegeben11 kW
Ladepreis18,35 €11,10 €8,75 €

ionity

Die Angaben in der Rechnung sind vollständig. Was mir abgeht, ist die durchschnittliche Ladeleistung, die muss man sich aus dem Volumen und der Dauer ausrechnen. Weiters ist nicht angegeben, wie viel die Kilowattstunde eigentlich kostet. Man kann sich das zwar auch ausrechnen (14,23/33,210)*1,2 = 0,51 €) aber es ist verwunderlich, dass man diese Größe, die man schließlich zur Berechnung der Kosten braucht, nicht in der Rechnung findet. Man findet sie nur in den Vertragsbedingungen von We Charge.

Wien Energie

Die zahlreichen innerstädtischen Ladestellen sind 11 kW-Lader, die pro Zeit verrechnen, egal, wieviel das Auto tatsächlich “konsumiert”. Auch hier fehlt der Grundpreis, also der Preis pro kWh. Angegeben ist der Preis pro Stunde, doch kann man mit diesem Preis keinen Vergleich mit den Gleichstromladern anstellen. Den Grundpreis muss man sich ausrechnen als 2,9/11 = 0,24 €. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Verrechnungsart Bestand haben wird, wenn es einmal zu Klagen kommt.

Smatrics

Ich tanke gerne bei Smatrics. Der Preis ist OK, doch kann man die bezogene Energie höchstens schätzen. Es wird kein Preis pro kWh ausgewiesen und auch keine gesamte Energiemenge. Angegeben ist Menge=1,0 und Einzelpreis 9,25 € für eine Ladezeit von 37 Minuten. Aber welche Energiemenge geladen wurde, das erfährt man nicht. Man könnte vermuten, dass es Defizite in den Protokollen zwischen dem Anbieter (smatrics) und dem Verrechnungsprovider (Energie Burgenland) gibt, aber die Rechnung ist ziemlich eigenartig. Vergleicht man mehrere dieser Rechnungen, steht dort für die Menge immer 1,0 und der Preis variiert je nach Ladezeit. Was aber die Energieeinheit kostet, erfährt man nicht, und wegen der Ladekurve des Akku kann man sie nicht einmal schätzen.