Internet-Pöbel

War schon alles mal da. Und in einem noch viel größeren Ausmaß. Wo sind die seligen Zeiten, als ganze Regierungsmannschaften wie mexikanische Drogendealer in unterirdischen Tunneln mit schweißgebadeten Leibern ihren Weg in die Hofburg suchen mussten? Der analoge Pöbel am Ballhausplatz wurde damals um die weidwund gestellte Beute betrogen und traumatisiert zurückgelassen.

Heute verlagert sich der Pöbel immer mehr ins Netz, wo die virtuellen Abklingbecken dankbar ihre Plattformen bereitstellen.

Niemand weiß etwas genaues, jedoch hauen alle sofort ihre zur jeweiligen politischen Agenda passenden Theorien und Spekulationen in die Tastatur rein.

Gegenwärtig hat sich das Internet, und hier speziell die sozialen Medien, ihren unangefochtenen Spitzenplatz in der Meinungsbildung erkämpft und bisher auch erfolgreich verfestigt.

Egal, um welche Themengebiete es geht. Das Netz gibt die Richtung vor. Die traditionell nicht zeitnah kommunizierenden Medien stellen da nur mehr den entsprechenden, nachgeschalteten Flankenschutz dar.

Bild 1 zeigt beispielsweise einmal den Ausschnitt einer Auftragsübersicht an. Die Auftraggeber treten mit einer entsprechenden Autorenplattform in Kontakt und äußern ihr Begehr. Wir befinden uns hier im unteren Preisspektrum, wo verschiedenste Kurbad- oder Thermenbewertungen als Auftrag zu vergeben sind.

Bild 1: Vergabe von Bewertungen

Sprachstil, Keyword-Platzierungen, Leseransprache, Zielgruppenanpassungen (Blogs, Produktfolder, Sujets, Erfahrungsberichte, Frage/Antwort-Portale… ) sind jedoch auch in diesem Preisspektrum striktest einzuhalten. Der Kunde gibt nur die exakten Rahmenbedingungen vor.

Aus nachvollziehbaren Gründen habe ich nur einmal Deutschland als Zielland herausgepickt. Von Handwerksbetrieben angefangen, Kauf- und Kommunikationsplattformen sowie Dienstleistungen in allen Schattierungen und Preisklassen wird hier niemand allein gelassen. Vorausschicken möchte ich noch, dass der Zugang zu diesen Auftragsvergaben nicht öffentlich ist. Nonanet.

Wer das große Besteck im digitalen Zirkus bemühen möchte, wird sich gleich nach einer Gesamtlösung umsehen.

Im Package kann man dann gleich die Follower und Likes gestaffelt in 1000er Schritten auf den verschiedensten Plattformen nachkaufen.

Heute nähen nicht nur Kinder in Asien Kleidung, sondern verbringen mitunter ihre Zeit in sogenannten „Klick-Farmen“. Siehe Bild 2.

Bild 2: „Klickfarm“

Ein Klassiker sind da mitunter die Klicks auf entsprechende Werbeeinblendungen, um Werbeagenturen eine erfolgreiche Kampagne zu bescheinigen. Oder eben keine Klicks darauf auszuführen. Je nachdem…

Das ist Teil des heutigen Geschäftes und sollte jetzt nicht wirklich verwundern. Den Preis dafür zahlt sowieso der Konsument, Wähler oder wer auch immer der Endverbraucher ist. Aber sicher nicht der Auftraggeber. Siehe Bilder 1,2.

Und so kann auch der Twittermob heute ganze multinationale Konzerne lahmlegen, Regierungen stürzen oder Aktien pushen.

Die latente Angst der Unternehmen rührt ja nicht von den steigenden Energiepreisen her, sondern der Stellung in den sozialen Medien. Darum positionieren diese sich vorsorglich gegen „rechts“, malen ihre Eingangsstufen in Regenbogenfarben an und etablieren das komplette Diversity-, Gender-, Quoten- und Antidiskriminisierungsgedöns in ihren Reihen bis hinunter zum klimaneutral betriebenen Einfahrtsschranken und der Abschaffung des Master/Slave Konzeptes in der EDV.

Es reicht heute schon lange nicht mehr, sich neutral oder gar enthaltend zu gewissen Themen zu verhalten. Das kann schon gerne mal als Zustimmung oder gar rückwärtsgewandt interpretiert werden.

Falls doch einmal die Enter-Taste zu früh gedrückt wurde, wird dieser Post notfalls als ungeschickt oder missverständlich formuliert etikettiert. Selbstredend war es auch nie die Absicht, solch einen falschen Eindruck zu erwecken. Die Satzbausteine kann jeder selbst mühelos erweitern

Darum muss mittlerweile jeder Konzern diese Nummer mitmachen, um dem Digitalmob keine Angriffsfläche zu bieten. Und natürlich endet das dann auch beim einfachen Angestellten, welcher sich vielleicht einmal nicht politisch korrekt im Netz geäußert und so auch dort seine Spuren auf Jahre hinaus hinterlassen hat.

Viel Glück beim nächsten Bewerbungsgespräch.

Dieser natürliche Kontrollmechanismus wird zudem in großem Stil vom deutschen/europäischen Ministerium für Wahrheit gnadenlos gefiltert, was sich weiters in kompletten Accountlöschungen und einer einhergehenden Debattenphobie niederschlägt. Dieses Gebaren macht auch vor demokratisch gewählten Staatsoberhäuptern nicht halt.

Souverän ist, wer über die Onlinepräsenz bestimmt. So weit, so normal.

Österreich ist nun mit ein paar ungeschickten Chatnachrichten, astreinen Umfragewerten und ethischen Postenvergaben wieder mal digital dabei.

Das Einzige, was neu ist: Heute ist alles schon digitalisiert und jederzeit abrufbar.

Honeckers Rache im nördlichen Nachbarland festigte ihre Reden mit einer einstudierten Raute und bei uns wird eben eine imaginäre Salatschüssel als Monstranz vor sich hergetragen. So weit, so normal.

Früher musste ein fescher Finanzminister noch analog einen Fanbrief im öffentlich-rechtlichen Rundfunk vorlesen, um seine Kompetenz und Beliebtheit zu untermauern. Heute geht das schon alles per Mausklick. Man geht eben mit der Zeit.

Ich sag‘s mal so: Solange VdB die Belegschaft entschuldigt und sein Kampfhund die rote Tapetentür nicht zerfleddert, bewegt sich alles noch im moderaten Rahmen.

Man liest sich

Gruß Günter

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