Digitale Kompetenzen

in Europa und Österreich

Zu Jahresbeginn 2019 wurde im Rahmen der Digitalisierungsstrategie des Ministeriums für Digitalisierung und Wirtschaftsstandort ein Curriculum für die Allgemeinheit unter dem Titel „digitales Kompetenzmodell für Österreich – DigComp 2.2 AT“ veröffentlicht. Es ist eine spezifische Erweiterung des im Antrag der europäischen Kommission entwickelten „DigComp 2.1“ Modells. Das europäische Modell wurde sukzessive erweitert und präsentiert sich nun 2022 als „DigComp 2.3“. Die Inhalte der für europäische Bürger*innen vorgesehenen Kompetenzen betreffen fünf Schlüsselbereiche, die folgendermaßen dargestellt werden:

  • Bereich Information und Data Literacy: Umgang mit digitalen Informationen, Beurteilung von Zweck und Relevanz dieser Daten
  • Bereich Kommunikation: Kommunikation und Kollaboration in digitalen Umgebungen
  • Bereich Entwicklung von Inhalten: Schaffung und Editieren von digital und Multimedia „Content“
  • Bereich Sicherheit: Datensicherheit und Datenschutz, persönliche Integrität
  • Bereich Problemlösung: Lösung technischer Probleme, Umgang mit Ressourcen, Lösung konzeptueller Fragestellungen

Zu jeder der fünf Bereiche werden in Summe 21 Kompetenzen identifiziert, die europäische Bürger*innen für die „digitale Lebensbewältigung“ mitbringen sollen. Diese reichen von der Verwendung von Webbrowsern, der Beherrschung von Such- und Filterprozessen über den Austausch von Daten, die Beachtung von Copyright und Lizenzrechten bei der Content-Produktion, die Beachtung der Privatsphäre bei Veröffentlichungen bis zur kreativen Nutzung von digitalen Technologien.  Diese Kompetenzen werden regelmäßig „upgedatet“ und sind Grundlage für Unterricht, Schulungen und Kurse an Schulen und in der Erwach­senen­bildung.  Wichtig ist dabei, dass unterschiedliche „Szenarien“ abgedeckt werden, die von der Mobiltelefonnutzung über den (privaten) Gebrauch von Anwendungssoftware bis zu IT-Kenntnissen, die im beruflichen Umfeld notwendig sind, reichen.

Der integrierte DigComp 2.3 – Rahmen bietet mehr als 250 neue wissens-, kompetenz- und einstellungsbezogenen Beispiele, die den europäischen Bürger*innen helfen sollen, sich selbstbewusst, kritisch und sicher mit digitalen Technologien auseinanderzusetzen. Dazu zählen auch neue Systeme, die beispielsweise durch künstliche Intelligenz (KI) gesteuert werden oder sich mit dem Begriff „Internet of Things“ auseinandersetzten.  In einschlägigen Publikationen zum Thema findet man einen Überblick über das bestehende Referenz­material für DigComp, in dem bereits veröffentlichte Publikationen und Referenzen zusammengefasst werden.    

In der österreichischen Variante DigComp 2.2 (2.3) AT (2.3 ist noch nicht veröffentlicht) geht man von einer achtstufigen Beschreibung digitaler Kompetenzen aus, die an den achtstufigen europäischen Qualifikationsrahmen EQR angelehnt sind, der auch in einem nationalen österreichischen Qualifikationsrahmen NQR seinen Niederschlag findet.  Die Koordination der entsprechenden Arbeiten werden von Verein „fit4internet“ durchgeführt, der den breiten Einzugsbereich zur Ideenfindung und Strukturierung der Lernziele nutzen und vom Bundesministerium für Arbeit und Wirtschaft finanziert wird.

Die Struktur des Syllabus, die in 6 Bereiche aufgegliedert ist, hat sich nicht verändert:

0. Grundlagen und Zugang
1. Umgang mit Informationen und Daten
2. Kommunikation und Zusammenarbeit
3. „Kreation“ digitaler Inhalte
4. Sicherheit
5. Problemlösen und Weiterlernen

Die Verbindungen zum europäischen Ausgangsmodell sind erkennbar.  Die neuen Ent­wicklungen betreffen ein Umsetzen Kompetenzen auf fiktive Personen, die in der Ausbildungsphase, der Erwerbsphase und der Unterstützungsphase (für Senior*innen) agieren und denen aufgrund ihrer Bildungsbiographie entsprechende Kompetenzen zugeschrieben werden.  Damit wird das oben abgebildete abstrakte Modell recht anschaulich. Weitere Bildungsschritte können „abgelesen“ werden. In einer Testphase im Sommer und Herbst 2021 wurden weitere Erfahrungen gemacht, die zu einer Ausweitung des Syllabus und des Kompetenzmodells führten.

Es wurden zwei Kompetenz­stufen als „grundlegend“ definiert, die nächsten zwei als „Selbständig“, weitere zwei als „Fort­geschritten“ und die letzten beiden als „Spezialisiert“. Für die Kompetenzstu­fen 1 bis 5 gibt es genaue Aufgliederungen der einzel­nen Kompetenzen, die sich in der Beschreibung an das Kom­petenzmodell von L. Anderson und D. Krathwohl (2001) halten.

Der zugehörige Syllabus und die Darstellung von Lernergebnissen entsprechend dem österreichischen Qualifikationsrahmen wurde 2021 als Version 1.0 veröffentlicht (siehe PC-News Herbst 2021 )

Nun wird eine Version 2 vorbereitet, von der hier berichtet wird.

Auf der Inhaltsachse des neuen Syllabus werden Items in 16 Szenarien bzw. Kontexten und 88 Kompetenzen als Aufgabenstellungen digitaler Kompetenzanwendung mit lebens- und berufs-praktischen Bezug angeführt.

  • Als grundlegende Szenarien im Lebensalltag werden „Smartphone-Nutzung“, „Freunde, Kinder und Familie“, „digitale Behördenwege“ und „Online-Shopping (einschließlich von Finanzgeschäften)“ dargestellt, als vertiefte Szenarien „Bewerbung um einen Arbeitsplatz“, „Mobilität und Reisen, Unterhaltung und Gesundheit “, „Politik, Medien und Zivilgesellschaft“, und „Arbeit in der Firma oder zu Hause“.
  • Die Szenarien für den Berufsalltag sind „Arbeitsprozesse im Büro und mit Medien“, „Kollaboration am Arbeitsplatz“, „Datensicherheit, Datenschutz und Ergonomie“, und „Betriebsorganisation im Beruf“, vertieft die Szenarien „Arbeits­prozesse für Kreativberufe“, „Betriebs­organisation im Produktionsbereich“ und vier „weitere exemplarische Berufsfelder“. Als klassische Arbeitsumgebungen wird von „Büro und Verwaltung“ ausgegangen, Ergän­zungen werden für Kreativberufe (Graphik-Design, Foto, Film, neue Medien), Produk­tionsberufe im technischen Bereich und weitere exemplarische Berufsgruppen (Bank- und Kreditwesen, Tourismus, Landwirtschaft, Bau) dargestellt.
  • Der letztangeführte Bereich enthält Lernziele zu digitalen Entwicklungen in so genannten „Zukunftsberufen“, wobei die Technologien hier schon entwickelt werden, aber die konkreten Berufsbilder und Einsatzbereiche noch teilweise ungeklärt sind (die Technologien werden mit „künstlicher Intelligenz“, „Data Science“, „Internet of Things“ und „Industrie 4.0“ bezeichnet).

Diese Ausweitungen betreffen also vor allem die Bereiche „Data Science“, „Industrie 4.0“, „Internet of Things“, „Künstliche Intelligenz“ und „Robotik“ (auch in Zusammenhang mit der Realisierung von Formen künstlicher Intelligenz).

Die wesentliche Innovation dieses Syllabus gegenüber früheren „Computerführer­scheinen“ war 2021 das Denken in teilweise personalisierten Szenarien, das den Übergang von der privaten Smartphone–Nutzung über Alltagsszenarien wie virtuelle Kontakte zu Ämtern, Einkaufläden, Reisebuchungen und Mobilität, Gesundheit und Soziales bis zu (einfachen) Arbeitsvorgängen in der beruflichen Praxis als kontinuierlichen Übergang abbilden soll. Damit geht es nicht mehr um „Computer­nutzung“, sondern ein Zurechtfinden im gesamten Spektrum der voraschreitenden Digitalisierung. In diesem Sinne ist es durchaus bemer­kenswert, dass die oben genannten sehr technischen Themen ab sofort auch im Umgang mit Informationstechnologien allen in Österreich lebenden Personen eine Rolle spielen sollen.

Das Auffüllen dieses Syllabus mit konkreten Inhalten, die auch überprüfungstauglich sind, ist gerade in Arbeit.  Wenn sie Mitte 2023 fertig gestellt sein wird, gibt es nun ein sehr umfassendes Modell, wie man sich in Österreich, angeleitet durch eine europäische Initiative die zu erreichenden digitalen Kompetenzen von Staatsbürger*innen vorstellt.

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