Bei Besuchen anderer Windows-Benutzer bemerke ich, dass diese dazu neigen, den PC so zu benutzen wie wir das vor zwanzig oder mehr Jahren gelernt haben. Ein beratungsresistenter Freund von mir benutzt zum Beispiel für jedes Projekt einen eigenen USB-Stick wie eine Diskette, der Datenaustausch erfolgt mit der Post.

Dieser Beitrag beschreibt die Voraussetzungen für einen Datenaustausch mit anderen Geräten und Benutzern.

In früheren Windows-Versionen gab es das so genannte “Heimnetzwerk”, mit dem man auch ohne Kenntnisse der Details über NTFS- und Freigabe-Rechte rasch eine funktionierende Verbindung zu Rechnern im selben LAN herstellen konnte. Aber das Heimnetzwerk funktionierte nur lokal. Durch die rasante Entwicklung der portablen Geräte, die sich nicht im lokalen LAN befinden, hat sich dieses Konzept überholt und ist in aktuellen Betriebssystemversionen auch nicht mehr verfügbar. Lediglich bestehende Konfigurationen eines Heimnetzwerks werden noch unterstützt.

Zusammenarbeit heute

An die Stelle des Heimnetzwerks trat der OneDrive. Der OneDrive bietet jedem Besitzer einer Microsoft-Id 5 GB Speicher in der Cloud und ist unabhängig von einer privaten Netzkonfiguration von jedem internetfähigen Endgerät erreichbar, also von Handy, Tablet, Mac oder Linux-PC. Diesen Speicherplatz kann man mit anderen teilen. Sowohl kann man einzelne Ordner anderen freigeben als auch kann man den Speicherplatz anderer mitbenutzen. sofern diese den Speicherplatz freigegeben haben. Und das völlig unabhängig von lokalen Rechten.

OneDrive ist in einer Reihe mit Google Drive oder Dropbox zu sehen.

Der OneDrive, den wir mit Windows benutzen, ist aber nur die einfachste Version der Microsoft-Cloud-Speicher-Familie. Es gibt darüber hinaus noch eine Premium-Variante, den OneDrive-Business und die komplexen Miet-Varianten von Micrososft Azure. über die wir im Laufe des heurigen Clubjahres noch einiges hören werden.

Um mit anderen Geräten eine Datenverbindung herzustellen, muss man sich mit den Rechten am PC auskennen. Was die Netzwerkadministratoren in Firmenumgebungen konfigurieren, übersteigt aber den Bedarf privater User. Der Enduser verwendet heute am PC nicht mehr das lokale Konto bestehend aus Username/Passwort sondern ein Microsoft-Konto, das mit einem lokalen Konto verbunden ist. Man meldet sich lokal am PC an, und durch die Verknüpfung dieses Kontos mit der Microsoft-Id erfolgt gleichzeitig eine Anmeldung in der Microsoft-Cloud.

Die Rechtevergabe für die Zusammenarbeit erfolgt daher nicht mehr am PC, sondern in der Cloud. Man teilt Inhalte mit anderen Benutzern, die ebenfalls eine Microsoft-Id haben. Die zu teilenden Daten liegen nicht mehr am PC, sondern in der Cloud. Niemand greift direkt auf Daten auf Deinem PC zu, sondern er greift auf die Daten in der Cloud zu. Wenn er Schreibrechte hat, kann er die Daten auch löschen und durch die Replikation werden die Daten dann auch am PC gelöscht.

Der Zugang zu den Cloud-Diensten von Microsoft erfordert eine Microsoft-Id. Dieser Beitrag zeigt, was eine Microsoft-Id ist und wie man sie anlegt, wenn man noch keine besitzt.

Vertrauen ist erforderlich

Es ist wichtig zu wissen, dass ein Cloud-Speicher sich irgendwo in der Welt befindet und dass eine Abhängigkeit vom Anbieter des Speichers besteht. Man muss dem Anbieter vertrauen, dass die Daten sicher verwahrt werden und dass sie nicht an Dritte gelangen können und dass  die Angaben zum Speicherort stimmen.

Microsoft-Id am PC

Wenn Du mit einem Windows-PC mit dem aktuellen Betriebssystem arbeitest, besitzt Du wahrscheinlich auch eine Microsoft-Id. Eine Microsoft-Id ist eine E-Mail-Adresse, die mit einem Konto am PC verbunden ist und die auch gleichzeitig der Anmeldename für die Microsoft Cloud-Dienste ist. Gleichzeitig ist auf dem PC auch ein so genannter OneDrive-Ordner angelegt. Alle Dateien im OneDrive-Ordner werden in die Microsoft-Cloud in beiden Richtungen synchronisiert.

Nur, wenn man bei der Einrichtung eines neuen Kontos das Kleingedruckte beachtet, gelingt es, das Anlegen dieser Microsoft-Id zu vermeiden. Es liegt im Interesse von Microsoft. dass jeder Windows-Benutzer auch eine Microsoft-Id besitzt.

Ob Du ein Microsoft-Konto oder ein lokales Konto verwendest, kannst Du so feststellen:

Windows->Einstellungen->Konten->Ihre Infos

Wenn dort unterhalb des Namens eine E-Mail-Adresse steht, dann ist das die Microsoft-Id für dieses Konto.

Wenn dort keine Adresse steht, dann benutzt Du ein lokales Konto.

Du hast eine Microsoft-Id, hast aber den OneDrive noch nie verwendet

Es kommt ziemlich häufig vor, dass diese Funktionalität des OneDrive zwar eingerichtet ist, aber nicht verwendet wird.

Bei einem neu eingerichteten Windows-10-PC solltest Du in der Taskleiste das Symbol für den OneDrive sehen (uneinheitlich: blau im Explorer Verzeichnisbaum, weiß in der Taskleiste; im Falle von OneDrive for Business auch blau in der Taskleiste; siehe dazu auch hier):

Wenn die Wolke grau ausgefüllt ist, muss man den OneDrive erst einrichten. Bei einem Klick auf das Symbol meldet sich ein Einrichtungsdialog:

Achte bei einer Einrichtung auf den lokalen Ordnerpfad. Der Anfangswert ist ein Ordner im Pfad c:\Benutzer\<name>\Onedrive und meist will man nicht, dass dort größere Datenmengen gespeichert werden. Um Zuge der Einrichtung wird ein Formular angezeigt, das diesem ähnlich sieht (das Bild stammt von einer Microsoft Support Seite). Auf das unscheinbare “Speicherort ändern” klicken:

Will man den Ordnerpfad zu einem späteren Zeitpunkt nachträglich ändern, findet man im Internet unter “onedrive ordner verschieben” etliche Anleitungen (nicht getestet, Anwendung auf eigene Gefahr; etliche Anleitungen beziehen sich auf ältere OneDrive oder Windows Versionen, Vorsicht ist geboten).

Ebenso solltest Du im Verzeichnisbaum den OneDrive-Ordner sehen:

Wenn Du eine Datei in den OneDrive-Ordner kopierst, wird sie dort mit Symbolen gekennzeichnet, die anzeigen, ob die Datei synchronisiert ist.

Die Wolke bedeutet, dass sich die Daten noch nicht am lokalen PC befinden, das Hakerl zeigt die Synchronität zwischen Cloud und PC an (siehe auch Status von OneDrive Verzeichnissen/Dateien im Windows Explorer).

Welche Ordner synchronisiert werden und welche sich nur in der Cloud befinden, kann man im Explorer festlegen: am gewünschten Ordner rechte Maustaste und “Immer behalten auf diesem Gerät” klicken (Hakerl = wird synchronisiert):

Wenn Du also wie im vorigen Abschnitt Deinen OneDrive aktiviert hast und dazu die Microsoft-Id auf Deinem PC benutzt hast, dann sollten alle Dateien aus dem OneDrive-Ordner von Deinem Rechner in die Cloud kopiert werden. Wenn Du unterwegs Dateien über einen Browser in die Cloud überträgst, findest Du sie automatisch auch am Desktop wieder.

Du hast keine Microsoft-Id

Windows->Einstellungen->Konten->Ihre Infos

So, wie im folgenden Bild schaut ein lokales Konto aus:

Im Text unter dem „TESTUSER“ wird auf die Möglichkeit eines Microsoft-Kontos hingewiesen. Klickt man auf „Stattdessen mit einem Microsoft-Konto anmelden“, legt man in einem Dialog ein solches Konto an. Am Schluss steht dann statt „TESTUSER“ der Name, den man beim der Einrichtung des Microsoft-Kontos angegeben hat und nicht mehr „Lokales Konto“, sondern jene E-Mail-Adresse, mit dem das Konto nunmehr bei Microsoft verbunden ist.

Microsoft-Konto

Die Microsoft-Id ist der Zugangscode zu einem Konto bei Microsoft https://account.microsoft.com/, das eine Vielzahl von Funktionen bereitstellt.

  • Man verfügt über ein persönliches Profil
  • Einstellungen des PC sind auf allen Geräten verfügbar, die mit diesem Konto betrieben werden. Dazu gehören auch die Inhalte der neuen Zwischenablage (siehe Artikel Windows 10 Zwischenablageverlauf)
  • Mit diesem Konto kann man sich Apps aus dem Microsoft-Store installieren und den Assistenten Cortana nutzen.
  • Man verwaltet seine Abos, Geräte und Familienmitglieder bei Microsoft
  • Der PC meldet sich automatisch im OneDrive an und synchronisiert die Daten im Hintergrund
  • Man kann mit diesem Konto Daten mit anderen Konten teilen (siehe späterer Artikel “Windows Zusammenarbeit”)
  • Man kann praktisch beliebig viele Konten haben; jedes Konto stellt 5 GB kostenlosen Cloud-Speicherplatz zur Verfügung
    (Anmerkung georgie: es erhebt sich die Frage, wofür mehrere Konten gut sein sollen, außer zum gratis GB horten; immerhin kann man auf einem PC immer nur mit einem Konto angemeldet sein …)
  • Mit diesem Konto hat man Zugang zu einem ziemlich mächtigen Kleinbüro, das man unabhängig vom PC nutzen kann.

Wer nur mit einem Tablet unterwegs ist, muss nicht auf Office&Co verzichten, denn das Portal stellt die wichtigsten Office-Programme in einer Online-Version zur Verfügung.

Fragen

Brauche ich unbedingt eine Microsoft-Id?

Es ist ganz egal, welchen Cloud-Speicher man benutzt. Zum Lesen allein würde man kein Konto brauchen, zur Bearbeitung aber schon. Man kann auch irgendeinen anderen Cloud-Speicher benutzen. Aber wenn jemand Windows benutzt, ist sehr wahrscheinlich, dass die Microsoft-Id ohnehin schon existiert, wenn auch vielleicht unbenutzt.

Brauche ich unbedingt einen PC?

Nein, man kann diesen Speicher auch nur mit einem Browser auch aus Linux verwalten. Hier wird ein LINUX-Client beschrieben: https://www.zdnet.de/88301857/onedrive-free-client-onedrive-unter-linux-mint-nutzen-update/

Welchen Vorteil hat es, wenn ich eine Microsoft-Id am PC habe?

Der Vorteil liegt darin, dass Veränderungen in der Cloud automatisch auch am PC durchgeführt werden, und umgekehrt. Wenn man sich mit dem Browserzugang zu OneDrive unter https://onedrive.live.com/ begnügt, muss man am PC keine Microsoft.Id verwenden.

Wie bekommt man mehr Cloud-Speicher?

Die kostenlosen 5 GB sind rasch verbraucht. Über das Kontext-Menü des OneDrive gibt es die kostenpflichtigen Ausbau-Varianten “Premium”, “Office-365”, wobei die Variante Office-365 bereits 6 TB Speicher für 99,- Euro pro Jahr zur Verfügung stellt. Mit enthalten sind 6 Office-Lizenzen.

Wofür kann man den OneDrive sonst noch benutzen?

Ich habe praktisch meine gesamten Daten im OneDrive gespeichert. Familienchronik, Bilder, Videos, Dokumente, CD-Sammlung, Texte… Alles. Etwa 3 TB. Ich teile diese Dinge mit den Familienmitgliedern. Wenn ich unterwegs ein Dokument brauche, schaue ich im OneDrive nach und habe es. Wer meinen PC erbt, müsste technisch versiert sein, um die Daten weiterverwenden zu können. So braucht er nur das Passwort und kann mit allen Daten sofort weiter arbeiten.

Links in die Microsoft-Cloud

Vorschau: dieser Artikel wird fortgesetzt mit einem Beispiel, wie man eine Arbeitsgruppe bilden kann, die gemeinsame Daten verwaltet.

Franz Fiala

Präsident Clubcomputer / Herausgeber PCNEWS bei ClubComputer.at
Franz ist pensionierter HTL Lehrer (TGM), Präsident von ClubComputer, Herausgeber der Clubzeitung PCNEWS und betreut unser Clubtelefon und Internet Support. Er ist leidenschaftlicher Rapid Wien Fan.

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