Lesebrillen und Kompaktkamera

Das Alter bringt mit sich, dass die Linsen unserer Augen ihre Elastizität verlieren. Dadurch kann die Brennweite der Linsen nicht mehr so verändert werden, dass nahe Dinge scharf abgebildet werden. Die Entfernungseinstellung erfolgt durch einen Ringmuskel, der die Linsenkrümmung ändert. Bei Einstellung auf die Nähe ist die Linse am rundesten, auf die Ferne am flachsten. Im Alter bleiben die Linsen für Sehen auf große Entfernung eingestellt. Dasselbe passiert auch, wenn eine Linse wegen Trübung (Grauer Star) mittels Operation durch eine Kunststofflinse ersetzt wird. Eine Lesebrille muss her.

Bei jeder Spiegelreflexkamera und anderen KB-Kameras gab es einen Sucher, der für das entspannte Auge ein scharfes Bild liefert, eine besondere Anstrengung für nahes Sehen war nicht erforderlich. Bei digitalen Kompaktkameras ist oft kein Sucher vorhanden, sondern nur ein Display zur Beurteilung der Aufnahme. Da die Kompaktkamera nahe am Gesicht gehalten wird, ist es für Brillenträger notwendig, für die Beobachtung dieses Display die Lesebrille zu verwenden. Dabei ist aber ein Blick über die Kamera hinweg auf das zu fotografierenden Objekt unmöglich, weil dafür keine oder gegebenenfalls eine Fernbrille notwendig ist. Der Wechsel zwischen Schauen in der Natur und Schauen aufs Display erfordert laufend einen Brillenwechsel, der den Fotografen in den Wahnsinn treiben kann. Ohne Brille ein nahes Bild scharf zu sehen, gelingt mit einer Lupe, weil diese Gegenstände in der Entfernung der Linsenbrennweite dem entspannten Auge scharf darstellt. So ein „Sucher“ mit einer Linse müsste auch für Kompaktkameras, die keinen eingebauten Sucher, sondern nur ein Display aufweisen, möglich sein.

Ein weiteres Problem bei digitalen Displays ist das Fotografieren im Freien, wenn helles Sonnenlicht das Bild bis zur Unsichtbarkeit verblassen lässt. Da wünscht man sich das schwarze Tuch, wie es Fotografen bei uralt Fotoapparaten verwendet haben. Eine andere Möglichkeit wäre ein Sehrohr, das helles Tageslicht vom Display fernhält.

Zur Beseitigung beider Probleme habe ich eine 99g schwere Lupe gebaut, die das Display ohne Verwendung einer Brille scharf zeigt und Licht von außen abhält (Material < 15 €). Zwar hat die Konstruktion große Abmessungen im Vergleich zur Kompaktkamera, aber sie erfüllt den angestrebten Zweck. Der Wunsch nach keinem Brillenwechsel und Abhalten von störendem Licht wird m.E. halt nur durch einen klobigen Zusatz erfüllt.

Linse D=50  f=100
Lupe mit einer Linse für Canon PowerShot G9X
Blick durch Lupe und Kamera,
mit Handy fotografiert,
daher ist nicht erkennbar, dass das Bild durch die Lupe sehr scharf ist und nahe an der Linse das ganze Kameradisplay sichtbar ist.

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Ernst Reinwein

Absolvent HTL für Nachrichtentechnik, beruflich befasst mit vielen messtechnischen Aufgaben, von Untersuchungen an Funktelefonen bis zu Abnahmeprüfungen von Messgeräten für die österreichischen Funküberwachungen. Tätigkeit in inländischen und internationalen Normungsgremien. 2005 als Regierungsrat und Amtsdirektor in den Ruhestand getreten.

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